LaShawn Merritt : Die Coolness besiegt

LaShawn Merritt triumphiert über 400 Meter. Seinen Sieg widmete er seiner Familie, seinen Neffen, seinen Fans und noch Jesse Owens.

Der Abend war schon etwas kühler, als die Rundenrenner vor ihren Startblöcken standen, das Finale über 400 Meter war nach hinten verschoben worden wegen des Regens. LaShawn Merritt auf Bahn vier trat von seinem rechten Fuß auf den linken und wieder zurück, Jeremy Wariner auf Bahn sechs trat von seinem rechten Fuß auf den linken und wieder zurück. Die beiden dürfte kaum gefröstelt haben, die Konkurrenten aus den USA wollten eher die Anspannung in eine Bewegung umwandeln. Merritt rannte danach jedoch schneller als Wariner und konnte sich daher als Erster Abhilfe verschaffen gegen die gesunkenen Temperaturen, er hüllte sich in eine amerikanische Fahne ein.

Es ist ein besonderes Duell zwischen den beiden, wenn auch kein hitzig geführtes, dazu wirkt Wariner zu unterkühlt. Jahrelang schien er unbesiegbar, doch in Peking bei den Olympischen Spielen nahm ihm LaShawn Merritt die Goldmedaille weg. Der Nimbus war dahin, Wariner mit seiner Sonnenbrille und seiner auf den ersten Blick nie eintretenden Erschöpfung war nicht mehr so cool.

In Berlin wollte er es wieder umdrehen, er lief schnell an, Merritt hatte ihn jedoch immer im Blick. Als sie aus der Kurve in die Zielgerade einbogen, lagen sie fast gleichauf. „Bei 300 Meter habe ich mich gut gefühlt“, sagte Merritt, „bei 350 Meter wusste ich, dass ich gewonnen habe.“ In Jahresbestzeit von 44,06 Sekunden kam Merritt ins Ziel, Wariner brauchte 44,60 Sekunden.

Seinen Sieg widmete er seiner Familie, seinen Neffen, seinen Fans und noch Jesse Owens. „Jetzt muss ich erst mal Platz schaffen bei mir zu Hause für die ganzen Medaillen“, sagte Merritt. Wariner schien sich erst einmal sammeln zu müssen nach Platz zwei. „Ich bin etwas enttäuscht, weil ich meinen Titel verteidigen wollte. Es war leider mein schwaches Finish.“ Eine Sprunggelenksverletzung hätte ihn in dieser Saison etwas aufgehalten, „ich war in guter Form, aber nicht in guter Rennform, das war meine langsamste Saison“. Nach seiner Besinnungszeit gratulierte er Merritt noch mit einer kurzen Umarmung. Beide müssen von jetzt an zusammenhalten, für die 4x400-Meter-Staffel. Friedhard Teuffel

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