Sport : Lass dich überraschen

Dokic verliert – die anderen Favoritinnen kommen weiter

Benedikt Voigt

Berlin. Usbekistan, das klingt irgendwie nach Afghanistan oder Mongolei oder Russland. Auf jeden Fall nach einem sehr fernen Land und einer sehr fremden Sprache. Wenn die Tennisspielerin Iroda Tuljaganowa, die aus eben jenem fernen Land stammt, auf der Tennisanlage von Rot-Weiß trainiert, dann spricht sie – Spanisch. Weil sie regelmäßig mit einer spanischen Trainingsgruppe übt. Und wenn die Usbekin einen besonders wichtigen Punkt gewonnen hat, ballt sie die rechte Faust und schreit: „Come on.“

Bei den German Open feuerte sich Iroda Tuljaganowa am Ende des dritten Satzes gegen Jelena Dokic noch einmal kurz auf Englisch an. Kurze Zeit später hatte die 21-Jährige 4:6, 6:2 und 7:6 gewonnen. Es war erst die zweite kleine Überraschung dieses Turniers, Dokic war immerhin an Nummer acht gesetzt.

Unerwartet war der Erfolg der jungen Dame aus Taschkent auch wieder nicht. Zu unbeständig spielt ihre Gegnerin gegenwärtig Tennis. Der dritte Satz war bezeichnend für die Leistungsschwankungen von Dokic. Erst wehrte die Jugoslawin beim Stande von 4:5 zwei Matchbälle ab, und schaffte das Break. Nur um ihr anschließendes Aufschlagspiel zu verlieren. Noch einmal schaffte Dokic das Break zum 6:6. Und gab dann im Tiebreak beim 0:7 nahezu auf.

Ansonsten haben die Tennisfreunde gestern Nachmittag auf der Anlage an der Hundekehle nur Favoritensiege zu sehen bekommen. Die an Nummer fünf gesetzte Französin Mauresmo besiegte Pistolesi aus Israel 6:3, 6:2, die als Nummer vier gesetzte US-Amerikanerin Capriati schlug die Französin Dechy 6:2, 6:3. „Das deutliche Ergebnis gibt den Spielverlauf nicht wieder. Es war ein enges Match, aber ich kann mich über meine Form nicht beklagen. In Richtung Paris bin ich auf einem guten Weg“, sagte Jenny Capriati. Vor dem zweiten Grand-Slam-Turnier des Jahres will sie noch eine Woche Pause einlegen, um dann dort frisch anzutreten.

Die Nummer drei Justine Henin-Hardenne aus Belgien besiegte die Schweizerin Patty Schnyder 6:3, 6:2 und die Nummer eins des Turniers, die Belgierin Kim Clijsters, hatte bei ihrem 7:5, 6:3-Erfolg über Fabioala Zuluaga nur im ersten Satz Probleme. Vor den Augen ihres Freundes Lleyton Hewitt, dem Weltranglistenzweiten bei den Herren, der beim benachbarten Klub TC Blau-Weiß regelmäßig trainiert und sich auf die German Open in Hamburg vorbereitet, musste sie beim Stand von 2:5 zwei Satzbälle abwehren. „Ich musste mich erst an ihren Stil gewöhnen“, sagte Clijsters. Danach aber hatte die 20-Jährige ins Spiel gefunden. „Ich verbessere mein Spiel auf Sand von Tag zu Tag“ erklärte die Weltranglistenzweite.

Die Belgierin hatte vor dem Turnier in Berlin eine fünfwöchige Pause eingelegt und erst im Fedcup wieder zum Schläger gegriffen. Sie hatte sich ausgelaugt gefühlt. „Ich brauchte diese Pause“, sagte Kim Clijsters. Nach dem Turnier in Miami, wo sie im Halbfinale gegen Serena Williams ausschied, hatte sie sich geistig und körperlich nicht mehr fit gefühlt. „Als ich jünger war, habe ich nicht so sehr auf meinen Körper gehört.“ Das klingt altklug für eine, die im Juni 21 Jahre alt wird.

Doch Kim Clijsters zählt bereits zu den erfahreneren Spielerinnen auf der Tour. In Berlin gilt sie als Favoritin, nachdem beide Williams-Schwestern ihre Teilnahme absagen mussten. „Es ist schade, dass sie nicht hier sind, aber es stimmt nicht, dass die Williams- Schwestern jedes Turnier gewinnen“, sagt Clijsters. „Wir anderen Spielerinnen haben gezeigt, dass wir sie schlagen können.“

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