Sport : Lass es wie einen Unfall aussehen Romain Grosjean ist der Bruchpilot der Formel 1

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Yeongam - Romain Grosjean hat nicht viele Freunde in der Formel 1. Red-Bull- Motorsportdirektor Helmut Marko wollte ihn für drei Rennen gesperrt sehen. Red-Bull-Pilot Mark Webber fragte sich: „Wie oft kann man den gleichen Fehler machen?“ Und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone forderte gar einen Sehtest für ihn: „Wenn es nach mir ginge, würde ich ihn für einen Grand Prix aussetzen lassen, ihn zu jedem Test schicken und sichergehen, dass sein Sehvermögen okay ist.“ Über Ecclestones Vorschlag möchte Grosjean lieber nicht reden, „weil ich nicht noch mehr Ärger brauchen kann“.

Ärger hat der Franzose derzeit wahrlich genug. In 14 Saisonrennen war Grosjean an acht Unfällen beteiligt, die meisten davon ereigneten sich in der Startphase der Rennen. Der spektakulärste Crash war der in Belgien, der den Ferrari-Piloten Fernando Alonso und Lewis Hamilton (McLaren) aus dem Rennen riss. Grosjean wurde danach für ein Rennen gesperrt, doch vor einer Woche in Suzuka schlug er wieder zu und schoss Webber ab. Längst ist der 26 Jahre alte Lotus-Pilot die Witzfigur der Szene. Vor dem Großen Preis von Südkorea am Sonntag (8.00 Uhr/RTL und Sky) trat er daher ganz kleinlaut und zurückhaltend auf und entschuldige sich auch noch einmal bei Webber.

Das war vor drei Jahren noch ganz anders. Zur Zeit seines Formel-1-Debüts für Renault war Grosjean im ganzen Fahrerlager als äußerst arrogant und überheblich verschrien. Das hat sich in der Zeit, in der er in die Nachwuchsklasse GP2 zurück musste und zeitweise sogar arbeitslos wurde, deutlich gebessert. Auch teamintern tritt Grosjean jetzt zurückhaltender auf und hat mit seinen Ingenieuren und Mechanikern keinerlei Probleme mehr. Diese Akzeptanz möchte er jetzt auch bei seinen Fahrerkollegen wieder bekommen. „Ich versuche natürlich, hier in der ersten Runde keine Berührung zu haben“, versichert Grosjean. „Ich bin nicht dumm, ich bin mir des Risikos beim Start durchaus bewusst. Ich arbeite daran, ein paar Dinge zu ändern, aber das passiert nicht einfach von einem Tag auf den anderen.“ Er habe auch viel mit seinem Team gesprochen. „550 Menschen arbeiten, um uns das beste Auto zur Verfügung zu stellen. Wenn ich dann auf den ersten hundert Metern alles kaputt mache, ist das nicht gut. Das ist mir alles bewusst.“

Bereits in der GP2 fiel Grosjean im Zweikampf durch unüberlegte Aktionen auf. Inzwischen hat er schon so viel Kleinholz fabriziert, dass er Beschützerinstinkte weckt. Der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart bot bereits im Sommer an, bei der Bewältigung seiner Probleme helfen zu wollen. Jetzt erneuerte er das Angebot – aber Grosjean lässt durchblicken, dass er da eher seinem neuen Coach vertraue. Seit dem Sommer wird er von einem französischen Judo-Trainer betreut, der mit seinen Athleten neben der Koordination auch den mentalen Bereich trainiert.

Michael Schumachers früherer Teamkollege Martin Brundle kann sich vorstellen, dass ein gewisses Coaching Früchte tragen könnte: „Ich denke, Romains Geschwindigkeit und seine Fähigkeiten sind es wert, seinem unstrittigen Problem von Berührungen im Nahkampf Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen.“ Für Brundle ist klar: „Er trifft unter Druck die falschen Entscheidungen. Wenn man davon ausgeht, dass mit seiner Sehkraft alles in Ordnung ist, dann verarbeitet sein Gehirn in diesen kritischen Momenten offenbar Informationen auf die falsche Art.“ Noch könne man das sicher in Ordnung bringen – „aber er wird nicht mehr viele Chancen bekommen“. Karin Sturm

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