• „Lass uns vor die Tür gehen, Trainer“ Streitkultur in der Bundesliga: Wie Fußballer zu Boxern werden

Sport : „Lass uns vor die Tür gehen, Trainer“ Streitkultur in der Bundesliga: Wie Fußballer zu Boxern werden

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Bei den Bayern kracht es ständig im Training, zuletzt vor zwei Monaten: Im Trainingslager in Dubai geraten die Münchner Fußballer Samuel Kuffour und Michael Ballack aneinander. Plötzlich schlägt Kuffour zu, die Faust rauscht an Ballacks Kopf vorbei. Als Kuffour daraufhin drohend vor dem Nationalspieler steht, schreit Ballack: „Finger runter! Nimm den Finger runter!“ Mehr als 30 Grad im Schatten zeigt das Thermometer; die gefühlte Temperatur liegt höher.

Ein Nachmittag auf dem Trainingsplatz von Eintracht Frankfurt, im vergangenen Sommer. Im Training grätscht Mannschaftskapitän Jens Keller in die Beine seines Kollegen Jean TsoumouMadza, woraufhin dieser stolpert – und mit satten Faustschlägen kontert. „Wenn sich jeder so revanchiert, können wir ’ne Boxbude aufmachen“, schimpft Trainer Willi Reimann – und schickt den Kongolesen unter die Dusche. Zum Abkühlen.

Statt mit einem bösen Foul revanchiert sich Bayerns Nationalspieler Mehmet Scholl auf folgende Art: In den Neunzigerjahren schießt der beste Münchner Mittelfeldspieler im Training nicht wie gewohnt lässig aufs Tor – sondern seinem Trainer Erich Ribbeck an den Kopf. Konzentrationsschwäche?

Diesmal zeigen die Bayern wieder Körpereinsatz: Im August 1999 versetzt Bixente Lizarazu Lothar Matthäus eine Ohrfeige. Drei Jahre später: Erst springt Lizarazu seinem Kollegen Niko Kovac im Training an die Gurgel, drei Wochen später verpasst Kuffour seinem Kollegen Thorsten Fink auch noch ein dunkelblaues Auge – aber nur, weil Jens Jeremies dem Schlag ausweichen kann.

Tumulte in der Kölner Südstadt. Als der Präsident von Fortuna Köln, Jean Löring, seinen Trainer Harald Schumacher in der Halbzeitpause beim Stand von 0:2 gegen Mannheim entlässt, gehen die beiden Männer aufeinander los. Schumacher wird aus der Kabine gedrängt, Löring coacht selbst. Endstand: 1:5.

Im kalten Keller des Berliner Olympiastadions kommt es vor zwei Jahren in der Kabine von Hertha BSC fast zur Prügelei, als sich die Brasilianer Alex Alves und Marcelinho in der Halbzeitpause streiten. „Sportliche Unstimmigkeiten“ hätten den Ausschlag gegeben. Bevor die Fäuste fliegen, schlichten Spieler und Manager Dieter Hoeneß den Streit.

Anfang der Neunzigerjahre meckert Bayerns Trainer Jupp Heynckes mit seinen Spielern, vor allem mit Stefan Effenberg. Beide dementieren zwar folgenden Satz, der Legende nach soll Effenberg jedoch gesagt haben: „Lass uns vor die Tür gehen, Trainer.“ AG

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