Sport : Last ohne Beweise

Christian Hönicke

über das Rechtsverständnis in der Formel 1 Vor jedem Gericht der freien Welt gilt die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils. Nicht so in der Formel 1. Der Automobil-Weltverband (Fia) hat soeben den Rennstall BAR-Honda für zwei Rennen wegen eines Vergehens gesperrt, für dass es keine Beweise gab. Also hat die Fia die Beweislast umgekehrt: Der Rennstall habe nicht garantieren können, dass er nicht Benzin als flexiblen Ballast in einem kleinen Zusatztank einsetzte, um so das Mindestgewicht von 600 Kilogramm unterschreiten zu können. Gut möglich, dass dies der Fall war. Die Menschen bei BAR haben ein Schlupfloch gesehen und sind – wie clevere Menschen es eben tun – hindurch geschlüpft. Doch das kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen. Das Problem ist, dass das Schlupfloch überhaupt da war: Das Regelwerk vermeidet es zu erörtern, ob das Mindesgewicht mit oder ohne Benzinlast an Bord erreicht werden muss.

Der Eindruck drängt sich auf, dass die Fia diese Schlupflöcher bewusst ins Reglement integriert, um je nach Fall nach Gutdünken entscheiden zu können. Im Falle BAR-Honda hat man sich für eine Bestrafung entschieden. Ob es etwas damit zu tun haben könnte, dass sich das Team im Streit mit der Fia um die Verteilung der Einnahmen kürzlich auf die Seite der anderen Autohersteller gestellt hat? Es sei „allgemein bekannt“, dass man keine Zusatztanks einbauen dürfe, lautet die Begründung für das Urteil. Allgemein bekannt ist aber auch, dass sich alle Teams darauf geeinigt haben, in der Woche vor einem Grand Prix keine Testfahrten durchzuführen. Ferrari hat diese Vereinbarung vor den letzten Rennen geflissentlich ignoriert. Eine Bestrafung erfolgte nicht. Ob es etwas damit zu tun haben könnte, dass sich Ferrari erst vor kurzem auf die Seite der Fia gestellt hat?Seite 22

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