Sport : Lauf ins Nachtleben

Eisschnellläuferin Friesinger siegt bei der WM auch über 1000 m

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Seoul (Tsp). Anni Friesinger war so richtig nach Feiern zumute. „Das war ein supercooles Wochenende. Ich bin so happy, jetzt ist Party mit open end angesagt“, sagte die Inzellerin strahlend. Sie hatte am Schlusstag der EisschnelllaufWeltmeisterschaften von Seoul vor wiederum fast völlig leeren Zuschauertribünen in der Taeneung-Halle die 1000 Meter in 1:17,83 Minuten gewonnen. Damit war Anni Friesinger die erfolgreichste Teilnehmerin dieser Titelkämpfe. Zuvor hatte sie die 1500 Meter gewonnen und über 3000 Meter hinter der Berlinerin Claudia Pechstein den zweiten Platz belegt.

„Der Rückflug geht erst spät, aber ich werde mich gleich neben unseren Doktor setzen“, sagte Friesinger angesichts möglicher Party-Nachwirkungen. Dann stürzte sie sich mit ihrer holländischen Freundin Marianne Timmer, die sie auf Platz zwei verwiesen hatte, ins Nachtleben der südkoreanischen Metropole, um ihr zehntes WM-Gold zu begießen. Dass sie bei ihrem Ausflug ins Nachtleben jemand erkennen würde, brauchte sie nicht zu fürchten: Die WM stieß in Seoul auf mäßiges Interesse, es verirrten sich nur wenige Zuschauer in das Stadion. Das aber trübte die Freude beim Friesinger-Clan nicht. „Die Angangszeit von 18,20 war nach dem schweren Vortagesrennen Wahnsinn“, sagte Trainer Markus Eicher nach dem Sieg seiner Läuferin, der dem deutschen Verband wieder zu Platz eins in der Nationenwertung verhalf. Anni Friesinger blieb über die 1000 m die gesamte Saison unbezwungen.

Claudia Pechstein hingegen konnte ihr Vorhaben, auch den Titel über 5000 Meter zu gewinnen, nicht umsetzen. In 7:13,42 war sie auf Platz drei deutlich langsamer als die Überraschungssiegerin Clara Hughes aus Kanada, die in 7:10,66 Minuten die lange deutsche Siegesserie von sieben Erfolgen seit Einführung der WM 1996 durchbrach. „Das war eine Schlappe für Claudia, das muss man mal so deutlich sagen“, sagte Friesinger. Konkurrentin Pechstein gab sich gelassen. „Mein Trainer Achim Franke hat mir am Telefon gesagt, ich kann nicht immer gewinnen. Er ist mit mir zufrieden, und ich bin es auch.“ Wegen einer Hüftoperation konnte Franke bei der WM nicht dabei sein.

Für Gunda Niemann-Stirnemann erfüllte sich am Schlusstag der Traum von einer Medaille nicht. Nach Platz fünf über 3000 m schrammte die 37-Jährige über 5000 m als Vierte wieder knapp am Podest vorbei. „Dennoch ist mein Comeback gelungen. Ich bin nicht unglücklich“, sagte die Erfurterin.

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