Sport : Laufen, laufen, laufen

Aufsteiger Bielefeld will mit viel Kampf und wenigen Stars die Klasse halten

Felix Meininghaus

Was ist neu?

Die größte Veränderung für die Bielefelder ist die Ligazugehörigkeit – und damit der Schwierigkeitsgrad der Herausforderung. Viele Beobachter bezweifeln, dass der Klub mit diesem Kader konkurrenzfähig ist. Der Vorteil für den ewigen Neuling ist jedoch seine Routine: Er kennt diese Situation wie kein anderer Klub in Deutschland. Der Aufstieg war der siebte der Vereinsgeschichte. Das ist Bundesliga-Rekord. Wie der von vielen prognostizierte Abstieg verhindert werden kann, verriet Sportdirektor Thomas von Heesen bei der Saisoneröffnung: Mit „disziplinierter Aggressivität“ will die Arminia ihren Gegnern beikommen. Also genau so, wie sie es in der vorigen Saison nach der Verpflichtung von Trainer Uwe Rapolder teilweise eindrucksvoll demonstriert hatte. Konkret wird das in der Ersten Liga gegen stärker werdende Konkurrenz bedeuten: die Defensive stabil halten und Tordrang vor allem über Konter entwickeln.

Die ersten Vorbereitungsspiele lösten in dieser Hinsicht allerdings keineBegeisterung aus. Nach dem 4:2-Sieg über die Bielefelder wunderte sich Ruud Gullit, Trainer von Feyenoord Rotterdam, „wie leicht es uns gefallen ist, diesen Gegner in der Abwehr auszuspielen“.

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Wer wird der Star?

Es fällt nicht leicht, in einer Mannschaft weitgehend namenloser Spieler jemanden auszumachen, der von seinen fußballerischen Möglichkeiten her den Rest überragt. Schließlich konnte sich Arminia in der vergangenen Spielzeit vor allem deswegen so weit oben positionieren, weil die Mannschaft als Kollektiv auftrat. Fatmir Vata ist ein auffälliger Spieler, der für viel Unruhe in gegnerischen Teams sorgt. Der aus Bochum gekommene Südafrikaner Delron Buckley könnte endlich sein Potenzial ausschöpfen. Vielleicht macht aber auch Claudiu Raducanu den Unterschied, der in der vorigen Saison Espanyol Barcelona mit seinen Toren den Klassenerhalt in der Primera Division garantierte. Am meisten zugetraut wird in Bielefeld jedoch Issac Boakye. Der durchsetzungsfähige und ballsichere Stürmer hatte mit seinen elf Toren großen Anteil am Aufstieg der Arminia. Nur: Boakye fällt zu Saisonbeginn aus, weil er bei Olympia für Ghana spielt.

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Was ist möglich?

In Bielefeld gibt es zu dieser Frage traditionell nur zwei Aussagen, je nach Klassenzugehörigkeit: In der Zweiten Bundesliga heißt das Ziel Wiederaufstieg, in der Bundesliga Nicht-Abstieg. Nun ist die Arminia mal wieder oben angekommen, und deshalb wird sich der Klub vom ersten Spieltag an den Regionen der Tabelle orientieren, in denen ums Überleben gekämpft wird. Ob der Abstiegskampf erfolgreich bestanden wird, hängt für Trainer Uwe Rapolder in erster Linie davon ab, „ob sich unsere neuen Spieler schnell an unsere Philosophie gewöhnen“. In Bielefeld heißt das: laufen, laufen, laufen. Mit ihrem engagierten Pressing hat die Arminia den Aufstieg erzwungen.

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