Sport : Laufen nach der Laufbahn

Dieter Baumann startet bei Grand 10 in Berlin

Friedhard Teuffel

Berlin - Dieter Baumann spielt jetzt auch Theater. Als Läufer hat er so viel erlebt, dass er damit ein eineinhalbstündiges Programm füllen kann. Baumann erzählt in seinem Stück Anekdoten rund ums Laufen, übers Atmen und Verschnaufen. „Einiges ist aber auch erfunden“, sagt der 43 Jahre alte Schwabe. In dieser Woche hat er sein Stück „Er läuft, und du?“ in Albstadt-Tailfingen gegeben.

Auch nach dem Ende seiner internationalen Laufbahn hat Baumann seinen Beruf behalten. „Ich bin von Beruf Läufer“, sagt er. Nur dass er seine Bühne ausgewechselt hat und nun nicht mehr im Stadion unterwegs ist, sondern auf der Straße, in Tagungsräumen – oder eben im Theater. Baumann will zeigen, dass sein Sport nicht nur Bewegung ist, sondern auch ein Modell für gesundes und leistungsbewusstes Leben und auch darstellendes Spiel.

Am nächsten Sonntag wird Baumann in Berlin laufen, bei der Premiere der Grand 10 in Berlin, und er wird einige Läufer mitnehmen (siehe Kasten). „Ich will niemanden vom Laufen überzeugen, der nicht laufen will“, sagt Baumann, „ich will nur Lust darauf machen mit dem, was ich authentisch vorlebe. “

Die Frage, wie authentisch Baumann ist, hat vor knapp zehn Jahren den Sport gespalten. Die einem glaubten ihm, dass seine positive Dopingprobe von einer manipulierten Zahnpastatube kam, die anderen hielten die Zahnpasta für ein schmieriges Ablenkungsmanöver. „Die einzigen, die mich heute noch darauf ansprechen, sind Journalisten“, sagt Baumann, „in meiner Wirklichkeit gibt es diese Problematik nicht mehr.“

Schon acht Wochen nach der Affäre 1999 habe er wieder nach vorne schauen können, sagt der Olympiasieger über 5000 Meter von 1992. Geholfen hat ihm dabei wohl vor allem das Laufen. „Ohne Bewegung fehlt mir etwas“, sagt er.

Sein Verhältnis zum Laufen hat sich jedoch in den vergangenen Jahren verändert. „Ich laufe jetzt nicht mehr nur, um schnell zu laufen. Daraus habe ich früher meinen Spaß gezogen“, erzählt er. „ Aber jetzt laufe ich auch, um einfach an der Luft zu sein.“ Manchmal komme es auch vor, dass er spätabends oder nachts einen Spaziergang mache. „Ich laufe vielleicht auch, um ein bisschen vor der Welt fliehen und dem Telefon. Denn wenn ich laufe, bin ich nicht zu erreichen.“

In seinem Verein LAV Tübingen kümmert sich Baumann inzwischen um andere Spitzenläufer wie Arne Gabius oder Filmon Ghirmai. Doch wenn sich die Gelegenheit bietet, läuft er selbst Rennen wie am nächsten Sonntag in Berlin. „Wenn ich unter Läufern bin, dann bin ich da, wo ich hingehöre.“ Friedhard Teuffel

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