Sport : Lauryn Williams ist die Schnellste

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Helsinki Die schnellste Frau von Helsinki tritt eine schwierige Nachfolge an in der durch Dopingfälle ins Zwielicht geratenen amerikanischen Leichtathletik. „Ich bin erst 21 und trinke viel Milch. Vielleicht kann ich dadurch noch wachsen“ sagte die nur 1,58 Meter große Lauryn Williams nach ihrem Sprintsieg über 100 Meter und fragte die Journalisten mit unschuldigem Augenaufschlag: „Milch ist doch gesund – oder?“

Gesünder jedenfalls als das, was Kelli White, der Doppel- Sprint-Weltmeisterin von Paris 2003, zum Verhängnis wurde. Die Amerikanerin sitzt ebenso wie ihre Teamkollegin Torri Edwards, die damals nachträglich das WM-Gold über 100 Meter bekam, eine Dopingsperre ab. Auch Sprintstar Marion Jones, die in Sydney zusammen mit Maurice Greene über die 100 Meter triumphierte, kämpft im Dopingskandal um das US-Pharmaunternehmen Balco um ihren Ruf. Sportlich ist von ihr nichts mehr zu sehen.

Da kommt eine wie Lauryn Williams gerade recht – und dazu noch derart überraschend. Es sollte eigentlich das Duell zwischen Christine Arron und Julia Nesterenko werden. Die Französin Arron galt am Montagabend als große Favoritin, Olympiasiegerin Nesterenko aus Weißrussland als unberechenbare Konkurrentin. Nach einem rätselhaften Leistungssprung hatte Nesterenko im vergangenen Jahr in Athen Olympiagold gewonnen, und auch in diesem Jahr schien sie nach zweitklassigen Rennleistungen auf einmal wieder auf dem Weg nach vorne zu sein. Doch daraus wurde nichts. Julia Nesterenko belegte im Finale den letzten Platz in 11,13 Sekunden.

Auch für Christine Arron reichte es nicht, sie wurde WM-Dritte hinter der Jamaikanerin Veronica Campbell. Arron schien nicht recht zu wissen, ob sie sich freuen sollte. „Ich bin glücklich über meine erste Einzelmedaille bei einer WM, aber ich bin auch enttäuscht, denn ich hätte auch gewinnen können“, sagte die Französin.

Für Lauryn Williams war die Sache klar. „Es ist der größte Sieg meiner Karriere und auf jeden Fall mehr wert als mein Silber von Athen.“ Und das alles unter diesen Bedingungen: Als die Frauen am Start standen, hatte gerade ein stürmischer Regen eingesetzt. „Es war wirklich wie ein Hurrikan draußen“, sagte sie, „aber das ist genau das richtige Wetter für mich.“ teu/dpa

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