Sport : Lauter als ein Heavy-Metal-Festival

Borussia Dortmunds Fans bereiten sich schon auf die Meisterfeier vor

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Am liebsten alles umschlingen. Die Dortmunder Jakub Blaszczykowski, Mario Götze, Lucas Barrios und Lukasz Piszczek (v. l.) berauschten sich beim 4:1 gegen Hannover 96 an ihrer Leistung. Foto: dpa
Am liebsten alles umschlingen. Die Dortmunder Jakub Blaszczykowski, Mario Götze, Lucas Barrios und Lukasz Piszczek (v. l.)...Foto: dpa

Es gibt in Dortmund einen beliebten Expertenstreit, welcher Torjubel in der Geschichte des Westfalenstadions der lauteste war: Vielleicht 1993 das 1:0 von Michael Rummenigge im Uefa-Pokal-Finale gegen Juventus Turin? Oder Lars Rickens Treffer in der Verlängerung gegen La Coruña? Oder doch das Tor von Oliver Neuville beim WM-Sieg gegen Polen, mit dem 2006 das Sommermärchen so richtig Fahrt aufnahm? Seit Samstag gibt es neue Kandidaten für die Hitliste: Beim 1:1 von Mario Götze gegen Hannover 96 erbebte das altehrwürdige Stadion in seinen Grundfesten. Und als Lucas Barrios den BVB wenige Minuten später in Führung brachte, schwoll die Phonzahl in Bereiche an, die nicht einmal startende Düsenjets oder ein Heavy-Metal-Festival erreichen. Am Ende hatte Borussia Dortmund sein Heimspiel gegen Hannover 96 vor 80 720 Besuchern mit 4:1 (0:0) gewonnen. Nach dem Rückstand hatten die Profis von Trainer Jürgen Klopp vier krachende Akkorde gespielt, mit denen sie ihre Anwartschaft auf die deutsche Meisterschaft eindrucksvoll intonierten.

Dass die Gäste aus Niedersachsen eine Stunde lang den gefälligeren Fußball präsentiert hatten, interessierte hinterher niemanden. Wichtiger war, mit welcher Wucht sich die junge Mannschaft die drei Punkte erarbeitet hatte. Es gehe in dieser Phase der Saison „nicht in erster Linie über Qualität“, sagte Klopp, „es geht um puren Willen.“ Und davon haben die Dortmunder mehr als jede andere Mannschaft der Liga.

Wobei gerade der Ausgleichstreffer ein echtes Qualitätsmerkmal war. Wie Mario Götze fünf Gegenspieler austanzte, das können in Deutschland und in ganz Europa nur wenige Auserwählte. Als der Moderator vom Bezahlsender „Sky“ nach dem Spiel den Vergleich mit Lionel Messi vom FC Barcelona bemühte, zog Klopp die Stirn in Falten: „Wir sollten den Ball flach halten, den Jungen beobachten und Spaß haben.“

Das wunderschöne Tor war der Auftakt zu Feierlichkeiten, die der BVB mit drei weiteren und beinahe ebenso hübschen Toren schmückte. Zum Beispiel der zweite Treffer, den Lukasz Piszczek wunderbar einleitete, dass Klopp hernach feixend anmerkte: „Ein Pole schlägt eine englische Flanke auf einen Argentinier, der für Paraguay spielt.“ Bunter geht es kaum, und deshalb mochte auch Mirko Slomka nicht hinten an stehen: „Kloppo, tut mir leid“, sagte Hannovers Trainer in der Pressekonferenz, „aber ich muss euch heute schon zur Meisterschaft gratulieren.“ Es war ein lockerer Spruch, der spielerisch gemeint war, doch schon wieder dafür sorgte, dass sich die Miene des Kollegen verfinsterte. Die warmen Worte empfand Klopp als „absolut und 100 Prozent verfrüht. Ich bin ein optimistisch denkender Mensch, aber ich kann die letzten sechs Gegner nicht einfach ignorieren.“

Im Dortmunder Umfeld denken sie darüber anders. Die Heimspiele gegen Freiburg, Nürnberg und Frankfurt sind längst ausverkauft, für das letzte Heimspiel gegen die Eintracht liegen mehr als 300 000 Kartenbestellungen vor. Es ist steht alles bereit für die Megaparty um ein Team, das als jüngster Deutscher Meister in die Geschichte eingehen kann. Nun muss der BVB nur noch die fehlenden Punkte holen. Doch wer zweifelt daran, nach dieser letzten halben Stunde gegen Hannover?

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