Sport : Lauter gute Nachrichten

Hertha freut sich über den dritten Sieg im vierten Spiel und die Rückkehr von Simunic

Stefan Hermanns

Berlin - Manchmal ist Fußball ein Spiel der einfachen Wahrheiten. Falko Götz, der Trainer von Hertha BSC, wurde gestern gefragt, woran es denn liege, dass seine Mannschaft aus den letzten vier Spielen zehn Punkte geholt habe. „Wir haben dreimal gewonnen und einmal unentschieden gespielt“, antwortete Götz. Dann lachte er. So etwas hat es lange nicht mehr gegeben. Trotz Herthas Aufschwung hat Götz seine schlechte Laune zuletzt weiterhin offensiv zur Schau getragen, vor allem vor jenen Journalisten, die ihn vor kurzem noch in den bezahlten Urlaub schreiben wollten. Doch nach den jüngsten Erfolgen ist nun offenbar auch Götz von der guten Stimmung erfasst worden. Das 2:0 gegen den VfB Stuttgart war der dritte Sieg im vierten Spiel, innerhalb von drei Wochen hat sich der Berliner Bundesligist von Platz zehn wieder auf Platz fünf geschlichen. „Man sieht, was Selbstvertrauen ausmacht“, sagte Götz.

So wie die Berliner vor ein paar Wochen noch alles Schlechte anzuziehen schienen, so können sie sich zurzeit vor guten Nachrichten kaum retten. Selbst Rückschläge erweisen sich im Nachhinein als Glücksfälle, zum Beispiel der Ausfall von Arne Friedrich. Herthas Kapitän war im Abschlusstraining umgeknickt und hatte sich dabei eine Außenbanddehnung am Sprunggelenk zugezogen. Weil die Ersatzleute Madlung und Samba ebenfalls verletzt sind, musste Götz in der Innenverteidigung Josip Simunic von Anfang an aufbieten. Seit Anfang Dezember hatte der Kroate gefehlt, und erst vor zehn Tagen war er ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. „Die Frage, ob es ein Risiko ist, hat sich nicht gestellt“, sagte Götz. „Wir hatten keine Wahl.“

Es war kein Risiko. Simunic gewann 79 Prozent seiner Zweikämpfe. Kein anderer Spieler auf dem Feld hatte einen besseren Wert. „In den ersten Minuten war ich ein bisschen nervös“, sagte der Kroate. Doch allzu lang hielt dieser Zustand nicht vor. Schon in der zehnten Minute rettete Simunic vor Christian Tiffert, indem er den Ball mit der Hacke seines linken Fußes hinter seinen rechten Fuß führte und den Stuttgarter ins Nichts laufen ließ. „Was Joe gezeigt hat, war absolute Weltklasse“, sagte Dick van Burik. „Es ist nicht einfach, nach vier Monaten zurückzukommen und auf diesem Niveau zu spielen.“

Ursprünglich wollte Götz wie bei den jüngsten Erfolgen mit einer Dreierkette in der Abwehr spielen; durch Friedrichs Ausfall stellte er auf eine Viererkette um, in der Simunic und van Burik die Innenverteidigung bildeten. „Das Spiel war zugeschnitten auf Joe“, sagte Götz. Zum einen, weil die Offensivbemühungen der Stuttgarter mal wieder eher bescheiden ausfielen; zum anderen, weil sich Herthas beide Innenverteidiger nur einem zentralen Stürmer des VfB gegenübersahen. „Man kriegt Sicherheit im Zweikampf, wenn man weiß: Da steht noch ein Kollege hinter mir“, sagte Götz. Simunic berichtete, dass van Burik viel mit ihm gesprochen habe, „das hat sehr geholfen“.

Falko Götz ist der Ansicht, dass es Simunic noch mehr helfen würde, wenn er eine Entscheidung über seine berufliche Zukunft träfe. Sein Vertrag läuft aus, die Berliner würden Simunic gern behalten. „Es liegt ausschließlich an ihm“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Die Fans feierten den Kroaten mit „Si-Si-Simunic“-Rufen, und in ihrer Kurve hing ein Transparent: „Simunic für Hertha – eine wahre Größe“. Fragt sich nur, wie lange noch. Der Kroate hat einmal gesagt, er wolle für einen Verein mit Titelambitionen spielen. Bisher hat neben Hertha nur Olympiakos Piräus ernstes Interesse geäußert, und Gerüchte besagen, dass ihn auch Schalke 04 und der FC Bayern gern hätten. Möglicherweise spekuliert Simunic darauf, mit einer starken WM neue Käuferschichten zu generieren. Simunic selbst sagt: „Ich beschäftige mich nicht so viel damit, wie alle denken.“

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