Sport : Lauter Legionäre

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Stefan Hermanns über die Probleme der Kaiserslauterer Fans mit ihrem Klub

Echte Fußballfans sind seltsame Menschen. Sie machen ihr persönliches Wohlbefinden von Faktoren abhängig, die sie nicht beeinflussen können, begeben sich in die Abhängigkeit von Trainern und Managern, die nur selten die richtigen Personalentscheidungen treffen, und jubeln Spielern zu, von denen sie ahnen, dass sie schon bald für ein bisschen mehr Geld den verhassten Lokalrivalen verstärken werden. Der moderne Profifußball ist frei von emotionalen Bindungen – sieht man einmal von den Beziehungen der Fans zu ihrem Verein ab. Sie sind der letzte Rest Folklore, den sich ein durch und durch vermarktetes Produkt noch leistet. Wahrscheinlich weil sich singende Fans und farbige Kurven so gut vermarkten lassen.

Besonders bedauernswert sind im Moment die Anhänger des 1. FC Kaiserslautern, weil für sie innerhalb kürzester Zeit alle alten Gewissheiten zusammengefallen sind wie die Schaumkrone eines Weizenbieres im Hochsommer. Wer gestern noch ein Held war, ist heute ein Versager, und das gilt für alle Beteiligten: für die Spieler, den Trainer, den Vorstand. Die Mannschaft, eine zusammengewürfelte Esperantotruppe aus aller Welt, taumelt wieder in Richtung Tabellenende. Dorthin also, wo sie schon vor einem Jahr lag, als Erik Gerets neuer Trainer in Kaiserslautern wurde und einen anscheind hoffnungslosen Auftrag übernahm. Dass Gerets das Unschaffbare schaffte, sollte ihn eigentlich in Kaiserslautern auf Lebenszeit unangreifbar gemacht haben. Aber längst regt sich der Widerstand gegen die von Gerets zu verantwortende Zusammenstellung des Kaders. Das erste Ultimatum immerhin hat der Belgier erfolgreich überstanden.

Es ist noch nicht lange her, dass Gerets und der Aufsichtsratsvorsitzende René Jäggi als Retter des Klubs gefeiert wurden. Der Schweizer Jäggi hat den FCK saniert, als handelte es sich um ein marodes Wirtschaftsunternehmen und nicht um einen Fußballverein, der seine Anhänger träumen und zittern lässt, bangen und jubeln. Jäggi hat einst den Sportartikelkonzern Adidas saniert, er ist mit dem FC Basel als dessen Präsident in die Zwischenrunde der Champions League eingezogen und hat dann gleich darauf das Angebot aus Kaiserslautern angenommen. Am Saisonende geht Jäggi wieder. Er sagt, seine Mission sei erfüllt. Der Klub ist gerettet. Finanziell.

Jäggis Entscheidung ist die konsequente Fortführung einer Entwicklung im Profifußball – aber sie besitzt eine neue Qualität. Was bisher nur für die Spieler galt, hat nun die Funktionärsebene erfasst. Auch ein Fußballklub ist nur ein ganz normaler Arbeitgeber. Der vereinstümelnde Funktionär von einst wird durch einen emotionslosen Technokraten ersetzt, der die Bundesligatabelle liest wie die Jahresbilanz eines Wirtschaftsunternehmens. Man kann diese Entwicklung bedauern. Den 1. FC Kaiserslautern hat sie gerettet.

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