Sport : Lavieren im Vakuum

Eishockey-Präsident Harnos will Trainer Krupp nun doch halten. Dafür muss er im Machtkampf einlenken

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Wohin des Wegs? Arbeitet Krupp künftig in Doppelfunktion für die Kölner Haie und den Deutschen Eishockey-Bund? Foto: Reuters
Wohin des Wegs? Arbeitet Krupp künftig in Doppelfunktion für die Kölner Haie und den Deutschen Eishockey-Bund? Foto: ReutersFoto: REUTERS

Am Tag danach nippte Uwe Krupp vorsichtig an seiner Kaffeetasse, ein bisschen blass sah er aus – verständlicherweise. Eine ebenso aufregende wie anstrengende Weltmeisterschaft liegt hinter dem Eishockey-Bundestrainer. Am Mittwochabend verlor seine Nationalmannschaft ihr WM-Viertelfinale in Bratislava gegen Schweden trotz großen Kampfes mit 2:5. Das Turnier, das mit dem glänzenden 2:0 über Russland begonnen hatte, endete mit der Einsicht, dass die deutsche Auswahl immer noch ein gutes Stück von der Weltspitze entfernt ist. „Nach so einer WM ist man ziemlich platt. Es entsteht ein Vakuum. Wir sind alle enttäuscht, das muss man erst mal sacken lassen“, sagte Krupp auf einem Empfang, zu dem der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) am Donnerstagmorgen in einem Hotel in Bratislava geladen hatte. Eine Bilanz sollte dort gezogen und ein Ausblick gegeben werden.

Die sportlichen Dinge waren schnell erörtert. Das Minimalziel der deutschen Auswahl war es, die Zwischenrunde zu erreichen – und das übertraf sie deutlich. Die jungen deutschen Profis machten durch ihre rasanten Vorrunden-Siege über Russland und die Slowakei wunderbare Werbung für den deutschen Nischensport Eishockey; sie zeigten, dass sie an guten Tagen imstande sind, auf dem anspruchsvollen internationalen Niveau mitzuspielen. „Das Nationalteam ist die wichtigste Mannschaft des Landes“, befand Krupp. „Sie hat unseren Sport wieder gut repräsentiert.“ Besonders lobte der Coach seine Profis Kai Hospelt, John Tripp und Frank Hördler: „Das waren unsere besten Spieler.“

Die größte Schwäche der Deutschen war das Powerplay. Zwei Treffer gelangen ihnen bei Überzahl, nur Absteiger Österreich war noch schlechter. Überhaupt war die Chancenverwertung schlecht. Ein Verteidiger wie Christian Ehrhoff hätte Krupps Team gut getan, doch der steht noch mit Vancouver in den NHL-Play-offs. Außerdem erreichte Torhüter Dennis Endras nicht die Form der Heim-WM 2010, bei der die DEB-Auswahl bis ins Halbfinale kam. Es gebe weiterhin viel Arbeit, meint Krupp. So die Suche nach dem neuen Coach. Sicher ist: Krupp wird im Juni Teammanager der Kölner Haie. Den gewünschten hauptamtlichen neuen Bundestrainer hat DEB-Präsident Uwe Harnos nicht gefunden.

Und so rückte der Funktionär in Bratislava von seiner ursprünglichen Haltung ab, die ein Doppelamt ausschloss. Der Nationaltrainer darf wohl doch gleichzeitig einen DEL-Verein coachen. Auch die Kölner Haie würden Krupp keine Steine in den Weg legen. „Wir werden uns mit Uwe zusammensetzen“, sagte Harnos. Krupp wäre bereit, das Amt weiterzuführen – allerdings unter Bedingungen: „Ich arbeite nur mit meinem sportlichen Team weiter.“ Dazu gehört auch Sportdirektor Franz Reindl.

Und hier liegt das Problem: Harnos hatte den ehemaligen Nationalspieler Reindl, der sich schon im Februar für einen Verbleib Krupps beim Nationalteam ausgesprochen hatte, entmachtet und die Bundestrainer-Suche zur Chefsache erklärt. Der Garmischer soll sich ab Juli aus dem sportlichen Bereich zurückziehen und nur noch als Generalsekretär des Verbandes wirken. Um Krupp zu halten, wird Harnos also eine zweite Kehrtwende vollziehen müssen.

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