Sport : Le Mans: Geschlossen vorn

Frank Biela und seine Kollegen haben die Wasserspiele von Le Mans zu einem Audi-Festival gemacht. Der 36- jährige aus Neuss feierte beim berühmt-berüchtigten 24-Stunden-Rennen ebenso wie Audi den zweiten Gesamtsieg in Folge. Die Titelverteidiger und haushohen Favoriten aus Ingolstadt schafften einen souveränen Doppel-Erfolg und dominierten den von heftigem Regen beeinträchtigten Langstrecken-Klassiker an der Sarthe praktisch vom Start bis ins Ziel nach Belieben. "Wir sind stolz, dass wir wieder ganz vorne gelandet sind", bilanzierte Sportchef Wolfgang Ullrich. "Respekt vor den Fahrern. Ich glaube nicht, dass irgendjemand schon mal so lange im Regen gefahren ist und auch noch Erfolg hatte."

Biela, der DTM-Sieger von 1991, ist der dritte Deutsche nach Hans-Joachim Stuck (86/87) und Klaus Ludwig (84/85), der Le Mans zum zweiten Mal hintereinander gewinnen konnte. "Ich möchte nie wieder ein Rennen unter so schwierigen Bedingungen fahren", sagte der Neusser angesichts der Regen-Strapazen.

Nach 321 Runden und 4367 km durften sich Biela, der Däne Tom Kristensen und der Italiener Emanuele Pirro wie im Vorjahr vor 300 000 Zuschauern als Sieger feiern lassen. Rang zwei belegte der zweite Werks-Audi R8 mit dem Franzosen Laurent Aiello und den Italienern Rinaldo Capello und Christian Pescatori. Platz drei blieb ebenfalls in der Familie: Rückkehrer Bentley, das wie Audi zum VW-Konzern gehört und den Vorjahres-Motor der Ingolstädter verwendet, kam beim Debüt mit Andy Wallace/Eric van de Poele/Butch Leitzinger (Großbritannien, Belgien, USA) mit 14 Runden Rückstand aufs Podium.

Die privaten Audis des Champions-Teams mit Ralf Kelleners (Moers) und dem ehemaligen Formel-1-Piloten Johnny Herbert kamen bei dem Mensch und Material zermürbenden Rennen wegen technischer Defekte nicht ins Ziel. Bei den vom Team Joest eingesetzten Werks-Audis hingegen gab es nie echte Zweifel an der Titelverteidigung. Die R8 gingen mit einer Doppel-Führung in die Nacht, am Morgen betrug der Abstand zum Dritten bereits zehn Runden.

Sintflutartiger Regen machte das Hochgeschwindigkeits-Rennen zum Risiko und die Fahrt im offenen Audi äußerst ungemütlich. "Wie wenn man auf Glatteis fährt", beschrieb Biela die Probleme. "Es stand so viel Wasser auf der Strecke, dass wir auf den Geraden nur mit Halbgas fahren konnte, und selbst das war noch abenteuerlich", so Capello. Wegen zahlreicher Unfälle wurde das Rennen mehrmals neutralisiert. Deshalb schrumpfte der Audi-Vorsprung immer wieder. Bei Halbzeit waren von den 48 gestarteten Fahrzeugen nur noch 28 im Rennen. Auch die Audi-Piloten hatten Ausrutscher. Aiello musste zur Reparatur und fuhr an der Box zwei Mechaniker des benachbarten Champions-Teams um. Die Unfall-Opfer kamen mit Prellungen davon.

Bereits jetzt ist es ein offenes Geheimnis, dass Audi auch im kommenden Jahr in Le Mans startet. Die Verantwortlichen wollen den Hattrick aus drei Siegen in Folge. Obwohl renommierte Konkurrenz fehlt, halten die Ingolstädter an ihrem Programm fest. Ein eventueller Formel-1-Einstieg wurde heftig dementiert. "Kein Thema" ist dies laut Entwicklungschef Werner Mischke: "Das wäre für Audi nicht der richtige Weg."

Das diesjährige Le-Mans-Projekt ist mit traurigen Erinnerungen verbunden. Eigentlich hätte Michele Alboreto bei dem Klassiker starten sollen. Der Italiener war vor zwei Monaten bei Le-Mans-Testfahrten am Lausitzring tödlich verunglückt.

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