Lebende Tennislegende : Roger Federer: Willkommen im Klub der 1000er

Roger Federer brilliert in seinem 1000. Tennisspiel und trifft bei den Australian Open in Melbourne im Halbfinale nun auf seinen großen Rivalen Rafael Nadal.

Petra Philippsen
Roger Federer bestritt im Viertelfinale der Australian Open sein 1000. Match als Tennisprofi. Gegen Juan Martin del Petro gewann der Schweizer locker in drei Sätzen. Es war sein 814. Sieg bei 186 Niederlagen.Alle Bilder anzeigen
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24.01.2012 16:44Roger Federer bestritt im Viertelfinale der Australian Open sein 1000. Match als Tennisprofi. Gegen Juan Martin del Petro gewann...

Wenn Roger Federer auf seine fast 14 Profijahre zurückblickt, dann gibt es nicht sehr viel, das der 16-malige Grand-Slam-Sieger bedauert. Doch wenn er wie am Dienstag mit Juan Martin del Potro einen Platz betritt, dann weckt das schmerzliche Erinnerungen an eine Niederlage, die ihn nicht richtig loslässt. Denn dass er vor drei Jahren das Finale der US Open in fünf Sätzen gegen den Argentinier verlor, wurmt Federer bis heute. Es war eines dieser Matches, bei denen man hinterher nicht recht weiß, warum man eigentlich verloren hat.

Dass er diesmal im Viertelfinale der Australian Open deutlich mit 6:4, 6:3 und 6:2 gegen del Potro gewann, ändert nichts mehr, dennoch bekam der Sieg einen bemerkenswerten Nebeneffekt: Federer hatte ihn im 1000. Match seiner Karriere errungen. „Das ist schon eine unglaubliche Zahl“, sagte Federer, obwohl er bereits etliche Bestmarken vorgelegt hat. Nur Jimmy Connors (1427 Matches), Ivan Lendl (1310), Guillermo Vilas (1226), Andre Agassi (1114), John McEnroe (1079), Stefan Edberg (1076) und Illie Nastase (1026) gehören zum elitären 1000er Klub (siehe Fotostrecke).

Nun das achte Mitglied zu sein, bedeutet dem 30-Jährigen viel: „Ich weiß nicht, ob ich noch mal 1000 Matches schaffe, aber ich fühle mich fit genug für einige mehr.“ Begonnen hatte Federer mit nicht ganz 17 Jahren beim Turnier in Gstaad gegen den Argentinier Lucas Arnold – mit einer Niederlage. Federer erinnert sich noch genau, dass er damals ziemlich ärgerlich darüber war, nicht gegen Thomas Haas spielen zu können. Der hatte den viel größeren Namen als Arnold, aber der Deutsche war erkrankt. So schloss sich nun für Federer der Kreis mit del Potro, dem nächsten Argentinier, und einem Sieg. Es war sein 814. „Schade, dass es nicht 1000 Siege sind“, scherzte Federer, „aber es ist auch so ein Meilenstein. Und es waren auch ein paar harte Niederlagen dabei.“

Del Potro sollte ihm zumindest an diesem Tag keine weitere beibringen. Federer beherrschte seinen 23 Jahre alten Gegner in der Rod-Laver-Arena klar. Und das trotz brütender Hitze in Melbourne und obwohl del Potro nach seiner Handgelenksverletzung inzwischen wieder auf Top-Ten-Niveau spielt. „Ich habe meinen Rhythmus jetzt gefunden und fühle mich auf dem Platz richtig wohl“, sagte Federer. Ohne Satzverlust ist er in sein 31. Grand-Slam-Viertelfinale in Folge eingezogen und kam zum insgesamt 30. Mal eine Runde weiter. An Bestmarken mangelt es dem Schweizer wahrlich nicht.

Noch zwei Siege mehr, und er hat Connors' Rekord von 233 gewonnenen Partien bei Grand Slams übertroffen. Wichtiger ist Federer aber, dass er damit auch zum fünften Mal Australian-Open-Sieger wäre. Nur Roy Emerson hat noch eine Siegertrophäe mehr. „Ich spiele gut, ich kann hier gewinnen“, stellte Federer klar. Seit fast zwei Jahren hat er allerdings keinen Grand-Slam-Titel mehr gewinnen können. Doch dass er nach einem furiosen Herbst die letzte Saison beim Tour-Finale in London mit seinem 70. Turniersieg im 100. Finale abschloss, gibt Federer Auftrieb.

Denn auf dem Weg dorthin brachte er Rafael Nadal eine deutliche Niederlage bei. Und auf seinen Erzrivalen, mit dem er sich in acht Grand-Slam-Endspielen große Kämpfe lieferte, trifft Federer am Donnerstagabend wieder. Zum ersten Mal seit den French Open 2005 jedoch schon im Halbfinale. Nadal musste sich das Ticket gegen Tomas Berdych in einem Kraftakt mit 6:7, 7:6, 6:4 und 6:3 erarbeiten. Auch deshalb sagte Federer: „Ich gehe mit viel Selbstvertrauen in die Partie. Ich weiß jetzt wieder genau, wie ich spielen muss.“

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