Sport : Leblose Leverkusener

Bayer in der Krise, der Druck auf Skibbe wächst

Erik Eggers

Leverkusen - Nostalgie war dabei, als Michael Skibbe am späten Donnerstagabend die 0:1-Niederlage im Uefa-Cup gegen Tottenham Hotspur reflektierte. Ging es doch auch um Dimitar Berbatow, der Bayer Leverkusen nach fünfeinhalb Jahren für 15,7 Millionen Euro verlassen hatte – und nun den Werksklub mit seinem Tor des Tages in eine tiefe Krise geschossen hatte. Dreimal in Folge hat Bayer nun schon verloren. „Ein Topstürmer“ sei der 25-jährige Bulgare, schwärmte Leverkusens Trainer, „vielleicht einer der besten der Welt“. Erneut also bewahrheitete sich: Die Vergangenheit wird besonders dann gerne verklärt, wenn die Gegenwart grau und trist ist.

Die Niedergeschlagenheit, mit der Skibbe die desaströse Leistung seines Teams kommentierte, sprach schon für sich. Das Team, das vor vier Jahren mit Kurzpässen und blitzschnellen Kombinationen fast jede Abwehr aus den Angeln hob, schockierte das Publikum diesmal mit einfallslosen langen Bällen ins Sturmzentrum, wo die formschwachen Woronin und Kießling sich im Wege standen. Ein Aufbauspiel findet derzeit nicht statt. Die Mannschaft macht einen leblosen Eindruck, wirkt extrem verunsichert. Umso erstaunlicher, dass Skibbe auf die Frage, ob vor dem wegweisenden Heimspiel gegen Energie Cottbus am Sonntag nicht die Zielsetzung geändert werden müsse, mit einem trotzigen „Nein“ antwortete. Nach wie vor soll am Ende die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb herausspringen. Dabei ist Bayer auf Tabellenplatz zwölf einem Abstiegsplatz (fünf Punkte) schon jetzt näher als dem angestrebten Uefa-Cup-Platz (sechs Punkte). Und der Trend zeigt eindeutig nach unten.

In den letzten Wochen profitierte Skibbe vom Medienrummel, den die Personalie Christoph Daum im nahen Köln entfachte. Im Vergleich dazu rutschte alles, was unter dem Bayer-Kreuz geschah, fast unter die Wahrnehmungsschwelle. Hält aber der sportliche Misserfolg an, wird Skibbe nicht ewig im Windschatten Daums segeln können. Der Druck wächst. Das Vorhaben, den Vertrag mit Skibbe vorzeitig zu verlängern, wurde bereits auf die Winterpause verschoben. Davon, dass Skibbe unabhängig vom Erfolg der Mannschaft weiterarbeiten könne, wie zuvor noch verlautbart wurde, ist längst nicht mehr die Rede. All das „habe Grenzen“, wurde Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser im „Kölner Express“ zitiert, „wir brauchen Punkte, davon haben wir zu wenig“. Eine Niederlage gegen Cottbus würde jedenfalls eine Trainerdiskussion heraufbeschwören – wenn sie nicht ohnehin schon schwelt.

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