Sport : Leere Boxen im Paradies

Die Galopprennbahn Hoppegarten ist im Aufbruch – vielen Trainern mangelt es eigentlich nur an Pferden

Hartmut Moheit[Hoppegarten]
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Martin Rölke

Es ist ruhig im Stall von Martin Rölke. Ein paar Pferde sind gerade zum Training draußen, den Rest der insgesamt 16 Tiere muss man beinahe suchen. Auch Califax, ein vierjähriger dunkelbrauner Hengst steht in der Box. „Er bekommt heute Ruhe“, sagt der 63 Jahre alte Trainer. Auf Califax, einem Sohn des berühmten Galoppers Diktat, ruhen heute Rölkes Hoffnungen beim Familienrenntag in Hoppegarten (erster Start 14.15 Uhr), wenn es im Ausgleich-III-Rennen über 1600 Meter gegen acht Gegner um die Siegprämie von 3200 Euro geht. „Aufgeregt bin ich immer, ich hoffe, dass wir Geld verdienen und das Pferd gesund bleibt“, sagt Rölke, der schon mit viel höheren Summen rechnen konnte. Zu Zeiten, „als ich über 60 Pferde trainierte“, und vor allem als er mit Artan noch einen Ausnahmegalopper betreute. „Dem fehlten nur 30 000 D-Mark zur Million“, erzählt Rölke und ergänzt: „Man sagt zwar, dass man als Trainer etwa alle drei Jahre ein außergewöhnliches Pferd bekommt, aber darauf warte ich immer noch.“ Die Zeiten, in denen er in England und Irland für Besitzer groß eingekauft hat, sind lange vorbei.

Und dennoch ist Rölke wieder zuversichtlich, dass es mit Hoppegarten und damit auch in seinem Stall wieder aufwärts geht, seitdem der neue Besitzer Gerhard Schöningh nicht nur groß in das Areal investiert, sondern damit auch für Aufbruchstimmung gesorgt hat. „Natürlich bleibt der Standortnachteil von Hoppegarten“, erklärt Rölke, „aber je attraktiver alles hier wird, desto eher steigen die Rennpreise und damit unsere Chancen.“

An der Einmaligkeit von Hoppegarten – mit dem Wald und der neuen Trainingsbahn vor der Tür – gibt es für ihn keinen Zweifel: „Wir leben im Paradies, besser geht es nicht.“ Aber ohne genügend Pferde im Stall, ohne Besitzer, die sich die 800 bis 1000 Euro für ein Tier im Monat leisten können und auch wollen, nutzt das alles nur sehr wenig. „Ich hoffe immer, dass sich mal einer zu mir verläuft“, sagt Rölke. Ein weiteres ermutigendes Zeichen wäre es für den 90-Kilo-Mann, der früher als Starjockey in der DDR 55 Kilo auf die Waage brachte, wenn Rennbahneigner Schöningh bei dem ein oder anderen Trainer in Hoppegarten ein Pferd stationieren würde, „es muss ja nicht bei mir sein“. Zurzeit sind auch Trainer, die sich in der Vergangenheit oft nicht wohl gesonnen waren, dabei, etwas Frieden zu schließen. „Es geht schließlich um die Sache, um Hoppegarten und unsere Arbeit hier“, sagt Uwe Stech, der gemeinsam mit Roland Dzubasz, dem Beinahe-Erzfeind, die Trainerinteressen gegenüber der Geschäftsführung vertritt. Auch Stech hat neuen Mut geschöpft: „Ich trainiere jetzt 18 Pferde, ein paar sollen noch kommen.“

Die Formel ist einfach: Je mehr Zuschauer in Hoppegarten sind, desto größer ist die Chance, dass neue Besitzer hinzukommen. Werbung in eigener Sache können die Trainer mit ihren Pferden machen. Sollte heute Califax, der im sechsten Rennen mit Jockey Cevin Chan leicht favorisiert ist, gewinnen, wäre das für Martin Rölke ein Plus. Ein wenig mehr Unruhe im Stall täte ihm schon gut.

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