Leere Ränge : Wer zu spät wirbt...

Großer Sport vor dünn besetzten Rängen: Fachleute kritisieren das Marketingkonzept der Organisatoren der Leichtathletik-WM in Berlin.

Nana Heymann
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Wo geht's hier zur WM?Foto: dpa

Bei der Leichtathletik geht es vor allem um Zahlen: Wer ist am schnellsten gerannt? Wer ist am höchsten gesprungen? Am Ende zählt nur das Ergebnis. Und wenn am Dienstagvormittag nur 19.951 Zuschauer im Olympiastadion sitzen, dann muss man nicht lange nachrechnen um zu erkennen, dass dies kein gutes Ergebnis ist – knapp 56 000 Sitzplätze gibt es bei der WM im Stadion insgesamt.

Insofern ist es berechtigt zu fragen, ob im Vorfeld genügend Werbung für das wichtigste internationale Sportereignis des Jahres gemacht wurde. „Nein“, findet Tilo Arnswald, Geschäftsführer der Werbeagentur „Kross“, zu deren Kunden Daimler-Chrysler und die BKK zählen. Die Veranstaltung sei in der Stadt kaum präsent und auch die leeren Stadionränge würden die Hauptstadt in kein gutes Licht rücken. „Wenn man das sieht, stellt sich einem schon die Frage: Warum sind die Berliner so desinteressiert an einer solchen Veranstaltung?“

Ein derartiges Ereignis hätte einer mehrstufigen Werbestrategie bedurft. „Das hätte drei Monate vor WM-Beginn anfangen müssen. Spätestens zwei Wochen vorher hätte man dann mit Plakatkampagnen und Rundfunkspots ein werbliches Feuerwerk abfackeln müssen.“ Gerade mit Höhepunkten wie dem 100-Meter-Finale hätte man im Vorfeld Spannung aufbauen können. Das hatten die Organisatoren erst ganz am Schluss getan, nach Kritik an ihrer Kampagne.

Ähnlich sieht das Sabine Clausecker von der Werbeagentur „Clausecker & Bingel“: „Man hat im Vorfeld viel zu wenig von der Veranstaltung mitbekommen. Einzelne Milieus und Szenen wurden nicht aktiviert.“ Außerdem sei der Zeitpunkt ungünstig, die Stadt wegen der Ferien halb leer. Das Berliner Organisationskomitee ist sich keiner Schuld bewusst, vor allem hinsichtlich des Termins. Der sei vom Internationalen Leichtathletikverband IAAF vorgegeben worden.

Der Diskussion um verbilligte Eintrittspreise stehen Werbeexperten skeptisch gegenüber. „Solche Maßnahmen würden ein gewisses Maß an Verzweiflung signalisieren“, sagt Clausecker. Aber es sei immer noch besser, mit verbilligten Tickets die Ränge zu füllen, „als ständig im Fernsehen ein halbleeres Stadion zu zeigen.“ Werber Tilo Arnswald glaubt, die bescheidenen Besucherzahlen hätten vor allem damit zu tun, dass die Berliner sehr verwöhnt sind, was hochklassige Events angeht.

Verbilligte Tickets? Das würde nach Verzweiflung aussehen, sagen Werbeexperten

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