Sport : Leere trotz Länderspiel

Nur 4400 Zuschauer wollen die deutschen Handballer in Berlin sehen, die Veranstalter sind ernüchtert

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Voller Einsatz vor halbleeren Rängen. Pascal Hens und Teamkollegen spielten in der Schmeling-Halle vor enttäuschender Kulisse. Foto: dpa Foto: dapd
Voller Einsatz vor halbleeren Rängen. Pascal Hens und Teamkollegen spielten in der Schmeling-Halle vor enttäuschender Kulisse....Foto: dapd

Berlin - Es war der letzte Versuch, noch einmal Werbung zu betreiben – und die Gelegenheit war günstig. Vor dem Spitzenspiel der Handball-Bundesliga zwischen den Füchsen Berlin und dem THW Kiel am Sonntag griff Henning Opitz also zum Mikrofon. In der mit 9000 Zuschauern ausverkauften Max-Schmeling-Halle äußerte sich der Präsident des Berliner Handball-Verbandes ausführlich zum hochklassigen Teilnehmerfeld beim bevorstehenden Supercup, er sprach über Vizeweltmeister Dänemark und den WM-Dritten aus Spanien, natürlich verlor er auch ein paar Worte zum Neuanfang unter Bundestrainer Martin Heuberger. „Wir haben wirklich alles versucht, um die Leute auf den Supercup aufmerksam zu machen“, sagt Opitz. „Es war bereits absehbar, dass wir die Halle nicht vollkriegen würden.“ Also musste der Präsident höchstselbst Werbung machen. Umso größer war die Ernüchterung vier Tage später.

Gerade einmal 4428 Zuschauer wollten am Donnerstag das erste Länderspiel einer DHB-Auswahl in Berlin seit beinahe fünf Jahren sehen. Zum Auftakt der Heim-WM hatte der spätere Weltmeister am 19. Januar 2007 Brasilien mit 27:22 besiegt, die Stimmung in der ausverkauften Halle war großartig. Gegen Dänemark wurden die oberen Ränge in der Schmeling-Halle wegen des mangelnden Interesses sogar verdeckt, trotzdem blieben viele Sitze frei. „Das bereitet uns im Verband Bauchschmerzen, weil wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie wir das Wirtschaftsergebnis deckeln können“, sagt Opitz. „Ein Minusgeschäft bei einem Event mit dem Nationalteam – das muss man sich mal vorstellen.“

Die Gründe dafür sind vielschichtig. „Das Interesse der Berliner Vereine hielt sich in Grenzen“, sagt Janine Gegusch, Geschäftsstellenleiterin beim Berliner Handball-Verband. Der Landessportbund habe im Vorfeld zwar mehr als 2000 Klubs aus der Hauptstadt angeschrieben, allerdings ohne Erfolg. Ganze 600 Karten wurden abgenommen. Auch die Anwurfzeit – werktags um 18.30 Uhr – stellte sich als wenig förderlich heraus. „Wir hätten es gern gesehen, wenn die deutsche Mannschaft das zweite Spiel bestritten hätte“, sagt Opitz. Die Wünsche seines Verbandes harmonierten jedoch nicht mit denen des übertragenden TV-Senders. So duellierten sich ab 20.30 Uhr Spanien und Schweden. Zudem kritisiert Opitz das fehlende mediale Interesse am Nationenturnier, das nun nach Hannover und Halle/Westfalen weiterzieht. „Da muss im Vorfeld mehr vom DHB kommen als eine einzige Pressekonferenz.“

Berlin sei in dieser Hinsicht eben ein schwieriger Standort. „Aber das geht den Verantwortlichen wohl nicht in die Köpfe.“ Möglicherweise sind die Berliner Handballfans nach dem furiosen Aufstieg der Füchse inklusive Champions-League-Teilnahme im Moment auch übersättigt. Mit Atletico Madrid und dem THW Kiel haben an den vergangenen Sonntagen zwei Weltklasse-Mannschaften in der Schmeling-Halle gespielt. Ein Vorbereitungsturnier der Nationalmannschaft erscheint da sportlich nicht sonderlich wertvoll.

Selbst zum alljährlichen All-Star-Game zwischen Nationalmannschaft und einer Bundesliga-Auswahl waren in den vergangenen Jahren wesentlich mehr Leute gekommen als am Donnerstag.

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