Sport : Leerlauf und Reserve

Wie das Rennen der Handbiker entschieden wurde

Friedhard Teuffel

Berlin - Ein Marathon mit dem Handbike kann sich schon am Start entscheiden. Errol Marklein ging als Favorit ins Rennen, er hatte sich sogar den Streckenrekord als Ziel vorgenommen, doch er kam nur wenige Meter weit. „Ich wollte schon am Start ordentlich Kraft auf die Rolle packen“, erzählte er. Das Ergebnis war dies: „Ich habe mir die Kurbel abgerissen.“ Statt schnellem Antrieb hatte er nur noch Leerlauf – Marklein schied aus, und an Markleins Stelle verbesserte der Belgier Wim Decleir den Streckenrekord um zweieinhalb Minuten auf 1:11:03 Stunden.

Es sollte eigentlich Markleins letztes Rennen mit dem Handbike werden. Mit 49 Jahren wird es immer schwerer, bei den immer besser werdenden Handbikern vorne mitzufahren. Außerdem möchte sich Marklein mehr um seine Tochter kümmern, die er am Samstag eingeschult hat. Aber kann er so aufhören, nach dieser Kurzstrecke? „Ich bin ganz schön frustriert. Ich bin eigentlich ein Kämpfer, aber wenn ich auf der Strecke noch nicht einmal zum Kämpfen komme, kann ich damit nicht gut leben.“

Marklein wird daher erst einmal zwei, drei Tage nachdenken und dann entscheiden, ob er seine Karriere noch einmal um 42,195 Kilometer verlängert. „In vierzehn Tagen findet der Köln-Marathon statt. Die Form habe ich ja“, sagt Marklein, der den Berlin-Marathon schon gewonnen hat und außerdem mehrfacher Goldmedaillengewinner bei den Paralympics ist.

In Berlin hätte Marklein sogar Tempomacher gehabt, das gab es beim Handbike-Rennen noch nie. „Die sind dann Zweiter und Vierter geworden. Das zeigt, welche Chancen ich gehabt hätte“, sagt Marklein. Er hätte sich sogar zugetraut, unter siebzig Minuten zu bleiben. „Es war heute angerichtet bei diesem tollen Wetter.“

Aber vielleicht wäre dann auch der Sieger Wim Decleir noch schneller gefahren. „Es war ein taktisches Rennen, Sprint ist Sprint, ich hatte die besten Reserven“, sagte er. Im Gegensatz zu Marklein fährt er in einer anderen Position, er kniet in seinem Handbike, Marklein liegt darin. Decleir ist auch nicht auf einen Rollstuhl angewiesen. Er ist nicht gelähmt, sondern hat ein Bein verloren. Es wurde ihm nach einem Behandlungsfehler amputiert.

Handbiker ist er seit fünf Jahren, und dazu gebracht hat ihn der Mannschaftsarzt des Radsportteams Discovery Dag van Elslande. „Aber nicht so“, sagt Decleir und ahmt mit seiner Hand eine Spritze an seinem Arm nach. „Er schreibt mir Trainingspläne und berät mich.“ 300 Kilometer pro Woche trainiert der 35-Jährige, der als Filialleiter einer Bank arbeitet.

Das kurbelbetriebene Handbike wird im Behindertensport immer populärer. Der Schweizer Heinz Frei, der am Sonntag zum 17. Mal den Rollstuhlwettbewerb gewann, sagte: „Ich werde mich in meiner Freizeit mal ins Handbike setzen. Da habe ich eine bequemere Sitzposition und eine schönere Perspektive.“ Im nächsten Jahr will auch Ronny Ziesmer beim Berlin-Marathon im Handbike mitfahren. Der frühere Deutsche Turnmeister ist seit einem Trainingsunfall querschnittsgelähmt.

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