Sport : Legale Spritzen

Herthas Wichniarek wird nicht gesperrt, obwohl ihm Cortison verabreicht werden musste

Ingo Schmidt-Tychsen,Friedhard Teuffel

Berlin - Sie diskutierten, wild gestikulierend und heftig. Herthas Stürmer Artur Wichniarek und Kotrainer Andreas Thom verließen so den Schenckendorffplatz, auf dem die Mannschaft gerade trainiert hatte. In der Diskussion ging es wohl um eine Sperre für Artur Wichniarek, dem am Wochenende nach einem Allergie-Schock drei Spritzen Cortison verabreicht werden mussten – es herrschte gestern etwas Aufregung beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Zu befürchten hat der Klub allerdings nichts: Wichniarek wird nicht gesperrt.

„Die beim Fußball kennen sich nicht immer gut aus“, sagte Dirk Clasing, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nationalen-Anti-Doping (Nada) gestern Abend. „Für mich gibt es keinen Grund, dass Wichniarek gesperrt werden müsste. Wenn jemand in einer Notsituation Cortison braucht, dann muss er das auch bekommen.“ Wichniarek befand sich in einer Notsituation: Nachdem der 28 Jahre alte Pole Atemnot bekommen hatte und sein Gesicht angeschwollen war, rief er den Notarzt, der ihm die Spritzen verabreichte. „Diese Spritzen mussten sein, weil sich sonst eine lebensbedrohliche Situation entwickelt hätte“, sagt Herthas Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher. Der Allergie-Schock sei laut Schleicher auf eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit zurückzuführen. „Wenn das bei der Nada angezeigt wird, dann darf er auch spielen. Das ist zulässig“, sagt Dirk Clasing. „Der behandelnde Arzt muss allerdings erklären, dass die Behandlung notwendig war.“ Die Notwendigkeit habe der Notarzt in seinem Bericht ausführlich erklärt, sagt Ulrich Schleicher.

Einen ähnlichen Fall hatte es vor vier Jahren schon einmal in der Bundesliga gegeben: Thomas Brdaric war nach einem Asthma-Anfall ein cortisonhaltiges Medikament gespritzt worden. Brdaric, der damals noch für Bayer Leverkusen spielte, musste so lange pausieren, bis das Cortison nicht mehr in seinem Körper nachgewiesen werden konnte. Damals war der Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) noch nicht in Kraft. Im nun gültigen Code der Wada gibt es eine Ausnahmeregelung, die in diesem Fall greift. Deshalb wird Wichniarek nicht gesperrt.

Eigentlich müsste sich Hertha in dieser Problematik bereits gut auskennen. Als Marko Rehmer im vergangenen Jahr aufgrund starker Ohrenschmerzen ein cortisonhaltiges Medikament benutzte, ohne das vorher anzumelden, wurde er vom DFB-Sportgericht für neun Spiele gesperrt. Rehmer hatte gegen die Meldepflicht von Medikamenten verstoßen. Deshalb wurde er gesperrt – nicht wegen der Einnahme.

Das Problem Wichniareks ist also keines, dafür haben die Berliner ein anderes: Yildiray Bastürks Einsatz im Bundesligaspiel am Sonntag gegen den VfL Wolfsburg ist höchst unwahrscheinlich. Der 26-Jährige hatte sich am vergangenen Sonnabend im WM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark verletzt. „Er hat eine Innenbanddehung im Knie“, sagt Schleicher. „Ausschließen will ich seinen Einsatz noch nicht.“

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