Sport : Lehmann hetzt gegen Kahn

Der Streit zwischen den Torhütern der Nationalmannschaft eskaliert

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Split (Tsp). Es ist nicht überliefert, ob Oliver Kahn am Donnerstagmorgen in den „Kicker“ geschaut hat. Aber es hat bestimmt nicht lange gedauert, bis der Torhüter der FußballNationalmannschaft in Kenntnis gesetzt wurde, was sein Kollege Jens Lehmann so alles über ihn denkt. Warum die beiden Torhüter nicht miteinander reden würden, wurde Lehmann gefragt. „Ich wüsste nicht, was wir reden sollten“, sagte Lehmann. „Ich habe keine 24-jährige Freundin, ich habe ein anderes Leben.“

Es folgten noch viele weitere Kommentare, die Kahn an diesem Tag nicht gefallen haben dürften. „Meine Leistung ist konstanter“, ließ Lehmann seinem Kontrahenten Kahn mitteilen und rechnete dessen Fehler auf. Er selbst habe im zurückliegenden Jahr nur zwei gemacht. „Da kann ich jetzt nicht wirklich sagen, dass einer besser ist als ich“, sagte der Torhüter des FC Arsenal.

Von Oliver Kahn, der am Abend zuvor in Split beim Ausgleichstreffer der Kroaten so unglücklich aussah, war gestern lange nichts zu hören. In der „Welt“ sagte er nur, dass „das schon seit sechs, sieben Jahren so geht“, seitdem Lehmann die Nummer zwei sei. Er habe viele Konkurrenzkämpfe erlebt, mit Bodo Illgner oder Andreas Köpke, sagte Kahn. „Aber das Wichtigste von meiner Seite war Respekt.“ Er habe es nie nötig gehabt, sich auf ein „mittlerweile dermaßen niedriges Niveau“ zu begeben: „Das ist ja fast schon unglaublich.“

Auch Rudi Völler, der Teamchef der deutschen Mannschaft, war verärgert über Lehmanns Attacken am Morgen nach dem Sieg in Kroatien. „Im Sport gehört es zwar dazu, dass man hin und wieder etwas kratzt und seine Ansprüche formuliert“, sagte Völler, betonte aber, dass die Kritik ein „gewisses Niveau“ haben müsse. In den nächsten zwei Wochen wird Völler nun nach London reisen und sich mit dem Ersatztorhüter unterhalten. „Das muss ausgeräumt werden“, sagte Völler. Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld sagte zwar, dass „ich so was bei Bayern nicht dulden würde. Ich würde einschreiten, wenn der Ersatztorwart bei Bayern München über Oliver Kahn lästern würde“. Völler aber schloss übereilte Konsequenzen aus. Der deutsche Teamchef hatte Lehmann eigentlich zugesichert, eines der ersten drei Länderspiele des Jahres komplett zu bestreiten. „Normalerweise also eines der nächsten beiden. Aber wir werden das in Ruhe erst einmal besprechen, ohne jede Emotionen“, erklärte Völler.

Im Duell der beiden Torhüter, das vier Monate vor der Endrunde der Europameisterschaft in Portugal zu eskalieren droht, rückt Kahn keinen Millimeter von seiner Position ab – selbst wenn die Rückenschmerzen groß sind, wie in Split zu sehen war. Lehmanns Attacken würden nichts daran ändern, „dass ich bis zur Weltmeisterschaft 2006 die Nummer eins in der Nationalmannschaft bin“, sagte Kahn. „Und Lehmann wird es akzeptieren müssen.“

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