Sport : Lehmanns Höhenflug

Borussia Dortmunds Torwart versöhnt sich mit allen

Felix Meininghaus

Dortmund. Beim Börsenklub Borussia Dortmund träumen sie davon, dass in ferner Zukunft Millionen Kinder in schwarz-gelben Trikots durch China laufen. Sollte die geplante Expansion gelingen, werden sicher auch einige orangefarbene Leibchen dabei sein, mit denen sie in Dortmund ihre Torhüter einkleiden. Das BVB-Trikot mit der Nummer eins hat in dieser Saison erheblich an Wert gewonnen, weil Jens Lehmann einen bemerkenswerten Höhenflug erlebt. Der Torhüter befindet sich in der Form seines Lebens, nach elf Begegnungen in der Bundesliga hat der 32-Jährige erst sieben Tore kassiert. Vor allem dank ihres Torhüters ist die Borussia als einziges Team in der Liga noch ungeschlagen. „Jens ist ein extrem sicherer Rückhalt mit unglaublicher Ausstrahlung“, sagt BVB-Kapitän Stefan Reuter.

Aber Lehmann darf nicht nur an seinen Paraden gemessen werden. Sein Auftreten ist ebenso erstaunlich. Lange stand Lehmann in dem Ruf, der größte Kotzbrocken der Liga zu sein. Mittlerweile ist der Imagewandel vollzogen. Längst hat sich das ehemals so belastete Verhältnis zu den BVB-Fans und den Journalisten normalisiert. Früher gab es nach Spielen aus Trotz keine Statements vom Dortmunder Torwart. Der fühlte sich stets ungerecht behandelt.

Heute ist der Mann ein gefragter Gesprächspartner. BVB-Trainer Matthias Sammer beobachtet die Wende zum Guten bei seinem Torhüter „seit dem Moment, als klar war, dass er sich Borussia Dortmund hundertprozentig verschrieben hat“. Das könnte jenes Testspiel vor der Saison 2001/02 gewesen sein, als Lehmann in Neheim-Hüsten von den eigenen Anhängern dermaßen angepöbelt wurde, dass eine weitere Kooperation ausgeschlossen schien. Viele BVB-Fans hatten dem Torhüter seine Vergangenheit in Schalke übel genommen. Lehmann ging in die Offensive und suchte den Dialog. Seitdem geht es bergauf, selbst im Verhältnis zu den Kollegen. Früher habe Lehmann in der Kabine „immer so flapsig dahergeredet, heute spricht er die Dinge sachlich und mit Nachdruck an“, sagt Sammer. „Dadurch hat er sich eine hohe Akzeptanz erworben.“

Für Lehmann geht es am Samstag im Spiel beim Tabellenführer Bayern München im Vergleich mit Oliver Kahn auch um den Nachweis, dass er jetzt der führende Mann zwischen den Pfosten ist. So recht glaubt Lehmann indes nicht an seine Chance in der Nationalelf: „Wahrscheinlich werde ich dort nur die Nummer eins, wenn der Olli eine Affäre mit der Frau von Rudi Völler anfängt.“

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