Leichathletik-WM in Daegu : Gold, Silber und Bronze für Deutschland

Der Weltmeister im Diskuswerfen, Robert Harting hat am Dienstag in Daegu seinen Titel verteidigt. Stabhochspringerin Martina Strutz holt die Silbermedaille in ihrer Disziplin, Siebenkämpferin Jennifer Oeser gewinnt Bronze.

Betty Heidler gewinnt mit dem Hammer Silber - kann sich darüber aber nicht wirklich freuen.Weitere Bilder anzeigen
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04.09.2011 14:24Betty Heidler gewinnt mit dem Hammer Silber - kann sich darüber aber nicht wirklich freuen.

Wieder Gold für Gigant Robert Harting, Silber für Stabartistin Martina Strutz und Bronze für Kämpferherz Jennifer Oeser. Die deutschen Leichtathleten haben es kurz vor der Halbzeit bei den Weltmeisterschaften in Daegu so richtig krachen lassen. Am vierten Wettkampftag verteidigte der Berliner Diskuswerfer Harting seinen Titel von Berlin 2009. Der 26-Jährige war in seiner Freude kaum zu bändigen und schloss bei der Nationalhymne gerührt die Augen. „Geil!“, meinte er später. „Ich hätte die Hymne auch rausschreien können, aber ich wollte es einfach genießen.“

Die Leverkusenerin Jennifer Oeser zeigte im Siebenkampf zwei Jahre nach ihrem WM-Silber eine grandiose Aufholjagd und wurde mit 6572 Punkten belohnt. Und Stabhochspringerin Strutz vom Hagenower SV jubelte über Silber und den deutschen Rekord. „Das war einfach nur geil“, meinte die Senkrechtstarterin, die zwischendurch sogar führte und sich fassungslos an ihrem Kopfkissen, einer Art Talisman, festklammerte: „Ich dachte: Wollen die anderen alle nicht?“ Die 29-Jährige verbesserte ihre Bestmarke vom 12. Juli in Karlsruhe um weitere 2 Zentimeter auf 4,80 Meter. Der Titel ging erstmals an die Brasilianerin Fabiana Murer (4,85). Die Weltrekordlerin und Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa stürzte bei ihrem Comeback auf Platz sechs ab. Die Russin verbarg ihre rot-geränderten Augen unter einer Kappe und meinte trotzig: „Ich werde noch hoch und höher springen.“ Vize-Europameisterin Silke Spiegelburg aus Leverkusen enttäuschte als Neunte.

Harting war dagegen wieder der Brüller: Gleich im ersten Versuch warf der 26-jährige Berliner die Zwei-Kilo-Scheibe auf 68,49 Meter hinaus, schockte damit die Konkurrenz und steigerte sich danach sogar noch auf 68,97 Meter. Olympiasieger Gerd Kanter (Estland) blieb mit 66,95 Metern deutlich hinter dem alten und neuen Weltmeister. Bronze ging überraschend an den Iraner Ehsan Hadidi (66,08).

Harting ist wegen einer Patellasehnen-Entzündung seit Wochen angeschlagen und klagte auch diesmal: „Es tat so weh.“ Doch der Schützling von Trainer Werner Goldmann weiß kaum noch, wie sehr Niederlagen schmerzen können: Es war sein 16. Sieg in Serie. Und das achte WM-Gold für einen deutschen Diskuswerfer. Seine Disziplinkollegin Nadine Müller aus Haale/Saale hatte zuvor mit Silber das erste Edelmetall für das 71-köpfige deutsche Team geholt.

Mit Vollgas rannte Harting eine Ehrenrunde, nachdem er wie schon bei seinem ersten WM-Triumph das Trikot zerrissen hatte. „Vielen Dank für alle, die mir gestern einen Arschtritt verpasst haben. Das habe ich gebraucht“, sagte Siebenkämpferin Oeser nach ihrer furiosen Aufholjagd. Am Ende ihres verkorksten ersten Tages war die 27-Jährige noch in Tränen aufgelöst, meldete sich dann aber mit einem Super-Speerwurf von 51,30 Metern zurück. In Berlin hatte Oeser trotz eines Sturzes im abschließenden 800-Meter-Lauf noch Silber erobert. Als es in Daegu auf die zwei Stadionrunden ging, rannte sie in 2:10,39 Minuten eine persönliche Bestzeit, verausgabte sich dabei völlig und wurde mit Bronze belohnt.

Die Olympia-Zweite Tatjana Tschernowa aus Russland löste mit der Weltjahresbestleistung von 6880 Zählern Titelverteidigerin Jessica Ennis (6751) als Weltmeisterin ab, der Britin blieb immerhin Silber.
Lilli Schwarzkopf (LG Rhein-Wied) erreichte Rang sechs.

Ganz leichtfüßig rannte Kenias 800-Meter-Star David Rudisha zu seinem ersten internationalen Titel. Nach 1:43,91 Minuten kam der „Welt-Leichtathlet“ von 2010 sicher vor Abubaker Kaki (Sudan) und dem Russen Juri Borsakowski ins Ziel. Der erst 18 Jahre alte Kirani James von der Karibikinsel Grenada besiegte über 400 Meter in 44,60 Sekunden Titelverteidiger und Olympiasieger LaShawn Merritt (USA), der gerade eine 21-monatige Dopingsperre abgesessen hatte.

Beim Erfolg der Russin Julia Zaripowa über 3000 Meter Hindernis in der Weltjahresbestzeit von 9:07,03 Minuten landete die erst 19 Jahre alte Frankfurterin Gesa Felicitas Krause mit persönlicher Bestzeit nach 9:32,74 Minuten auf dem neunten Platz. „Ich habe das super hinbekommen und bin sehr, sehr stolz auf mich“, sagte sie. (dpa)

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