• Leichtathlet Lucas Jakubczyk im Interview: "Über 100 Meter bremst Nervenflattern nur"

Leichtathlet Lucas Jakubczyk im Interview : "Über 100 Meter bremst Nervenflattern nur"

Sprinter Lucas Jakubczyk lief fast einen neuen deutschen Rekord über 100 Meter. Ein Gespräch mit dem Leichtathleten des SC Charlottenburg über Tempo, Technik und Temperament.

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Lucas Jakubczyk (29) stellte neulich fast den deutschen Rekord ein. Der gebürtige Plauener trainiert und läuft beim SC Charlottenburg.
Lucas Jakubczyk (29) stellte neulich fast den deutschen Rekord ein. Der gebürtige Plauener trainiert und läuft beim SC...Foto: dpa

Herr Jakubczyk, Sie sind der schnellste Mann Deutschlands...

Uiuiui (schmunzelt).

Sie sind immerhin kürzlich beim Sprintmeeting in Florida 10,07 Sekunden gelaufen. Wie fühlt sich das an, schnell zu sein?

Das ist schwierig zu umschreiben. Beim Lauf ist es ein gutes Gefühl. Ich merke es im Wettkampf spätestens wenn links und rechts niemand zu sehen ist. Beim Sprint ist es schade, dass alles schnell vorbei ist. Ich kann es nicht lange genießen.

Haben Sie im Gefühl, ob Sie eine Zehntel- oder Hundertstelsekunde vorne liegen?

Nein. Da muss ich schon nach dem Zieleinlauf auf die Uhr schauen. Währenddessen kriege ich das nicht mit. Die Zeit ist die Überraschung am Ende.

Sie müssen sich ja auch auf andere Dinge konzentrieren.

Ja, zum Beispiel funktioniert bei mir noch nicht der dritte Schritt nach dem Start. Ich setze dabei meinen Fuß zu weit nach vorne. Das bremst mich und ich bekomme die notwendige Körperposition zum Sprint nicht hin. Daran muss ich noch hart arbeiten im Training.

Dennoch hat es mit dem deutschen Rekord fast geklappt. Es fehlten nur 0,01 Sekunden.

Das liegt an meinem neuen Trainingsrhythmus. Wir haben eine Blockperiodisierung versucht. Wir arbeiten mit drei Trainingsphasen, am Ende des Blocks kann ich meine Höchstleistung abrufen.

Half Ihnen das gute Laufwetter in Florida?

Die Bedingungen waren bei meinem Lauf in den USA perfekt. Es war konstant warm und trocken. Aber es kann ja nicht nur an den äußeren Bedingungen liegen. Ich kann auch im Regen schnell sein, und die anderen Starter sind dann auch nass.

Warum war gerade dieser Lauf so gut?

Wegen der letzten 40 Meter. Die waren optimal. Da war ich besonders schnell.

Welche Rolle spielt neben der Technik das Mentale? Etwa das Selbstvertrauen?

Direkt im Vorfeld ist das sehr wichtig. Wenn ich meinen Startblock einstelle, muss ich mir sicher sein, dass dieser Lauf sitzt. Den Konkurrenten darf man nie zeigen, dass man nicht gut drauf ist oder Probleme oder gar Zweifel hat. Wenn ich eine gute Form habe, ist das natürlich viel einfacher. Am Startblock entscheiden sich viele Rennen.

Wie setzen Sie Ihr Selbstvertrauen ein?

Vor allem durch Mimik. Man muss denen signalisieren: Wenn du gewinnen willst, musst du an mir vorbei! In der Weltspitze wird das aber oft überstrapaziert. Das sind dann Shows, die müssen nicht sein. Obwohl das Publikum diese Schauspielerei liebt. Wenn man über Jahre dabei ist, kann man sich eine gewisse Routine aneignen. Nervenflattern bremst nur.

In zwei Monaten kommt die EM in Zürich, dann der Istaf in Berlin. Geht da noch was unter der 10-Sekunden-Marke bei Ihnen?

Jedes Mal wenn ich am Startblock bin, weiß ich: Diese 100 Meter werden harte Arbeit. Mit der Zahl 9 beschäftige ich mich nicht. Es geht darum, meine beste Leistung abzurufen. In Zürich möchte ich in den Endlauf.

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