Leichtathletik : Abschied in Osaka, Anfang in Berlin

Die Vorbereitungen für die Leichtathletik-WM 2009 in Berlin haben begonnen. Die größte Herausforderung: Wie wird das Olympiastadion voll?

Friedhard Teuffel
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Klaus Wowereit brachte viele Eindrücke aus Osaka mit. -Foto: dpa

OsakaSeit Sonntag ist Berlin so etwas wie die heimliche Welthauptstadt der Leichtathletik. Denn das Ende der Weltmeisterschaften in Osaka ist zugleich der Beginn der eigentlichen Vorbereitung auf die WM 2009 in Berlin. Von nun an werden die Verantwortungsträger der internationalen Leichtathletik häufiger nach Berlin reisen, der Präsident des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), Lamine Diack, kommt schon am Sonntag nächster Woche zum Istaf. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass bei solchen Treffen Belange der Leichtathletik besprochen werden, die weit über die WM hinausgehen, sei es die Gestaltung von Weltmeisterschaften in Zukunft, die Nachwuchsförderung oder die Positionierung der Leichtathletik im Wettbewerb mit anderen Sportarten. Als Hoheitszeichen für die neue Rolle hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit am Sonntag in Osaka die Fahne der IAAF entgegengenommen.

Nach Osaka waren gleich zwölf Mitarbeiter des Berliner Organisationskomitees gereist. Sie haben dort einiges gesehen, was sie sich abschauen können, etwa das Engagement der ehrenamtlichen Helfer oder originelle Präsentationsformen wie Leichtathleten als Mangacomicfiguren. Die Berliner können aber auch vieles besser machen. Schon nach wenigen Tagen hatte der deutsche Cheftrainer Jürgen Mallow über Mängel bei Transport und Verpflegung der Athleten geklagt. Mit der Zeit verschwanden die Klagen, aber der neue Geschäftsführer des Berliner OK, Frank Hensel, sagt: „Wir wollen von Anfang an den Blickwinkel der Athleten im Auge behalten, die sportlichen Abläufe müssen die anderen Abläufe bestimmen.“

Die größte Herausforderung der WM ist jedoch: Wie wird das Olympiastadion voll? Im Nagai-Stadion war meist die Hälfte der gut 60 000 Plätze leer. Die Berliner kalkulieren mit 40 000 bis 45 000 verkauften Karten pro Tag, 55 000 werden nach dem Stand der Planung für jeden Tag in den freien Verkauf gegeben. Ein Konzept für den Kartenverkauf wird Hensel mit seinem Geschäftsführerkollegen Heinrich Clausen und dem neuen Beauftragten für das Ticketmarketing, Michael Mronz, erarbeiten. Mronz hatte 2006 die Weltreiterspiele mit Erfolg organisiert. Die Kernkompetenz liegt aber beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), und Hensel wird auch dessen Generalsekretär bleiben. Diese Aufgabe lasse sich ideal mit der des OK-Geschäftsführers verbinden, sagte Hensel: „Für die Weiterentwicklung des DLV spielt diese WM eine ganz große Rolle.“

Ob die WM in Berlin ein Erfolg wird, hängt gleich von zwei deutschen Mannschaften ab, vom Organisationsteam und von der Nationalmannschaft, in der auch die Berliner schon jetzt gut vertreten sind: Die gebürtige Berlinerin Betty Heidler wurde Weltmeisterin im Hammerwerfen, Robert Harting vom SC Charlottenburg gewann Silber mit dem Diskus, André Niklaus von der LG Nike Berlin wurde Fünfter im Zehnkampf. Dazu kommen noch die beiden Potsdamer Geherinnen Melanie Seeger und Sabine Zimmer.

Die WM in der eigenen Stadt wird ihnen einen Schub geben, sie bedeutet aber auch Druck – wie in Osaka zu sehen war. Im Marathon der Frauen gewann Reiko Tosa mit Bronze die einzige Medaille Japans. Vor zwei Jahren war es noch schlimmer für die Gastgeber. In Helsinki war Tero Pitkämäki Favorit auf den Titel im Speerwurf, einer großen Leidenschaft der Finnen. Pitkämäki landete auf Platz fünf. In Osaka hatte er keinen Druck – und wurde am Sonntagabend Weltmeister.

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