Leichtathletik : "Arrogant und hochnäsig" - ein Cheftrainer teilt aus

Nach der schwachen Leistung der deutschen Leichtathleten attackiert Cheftrainer Jürgen Mallow das Innenministerium und den Deutschen Olympischen Sportbund.

Friedhard Teuffel[Peking]
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Unsanfte Landung. Auch Hochspringerin Ariane Friedrich konnte es kurz vor Schluss nicht mehr rausreißen.Foto: AFP

Zum Abschluss ein Höhenflug – das wäre ein versöhnliches Ende für die deutschen Leichtathleten bei diesen Olympischen Spielen gewesen. Als letzte deutsche Athletin mit Medaillenchancen ging in Peking Hochspringerin Ariane Friedrich an den Start. In dieser Saison waren ihr gleich mehrfach Sprünge über zwei Meter gelungen. Gute Aussichten also. Doch sie landete vorzeitig. Mit übersprungenen 1,96 Meter wurde sie Siebte.

So blieb es bei einer Bronzemedaille für die deutsche Leichtathletik, gewonnen von der Speerwerferin Christina Obergföll. Vor vier Jahren in Athen waren es noch zwei Plaketten in Silber gewesen. Was die Medaillenausbeute betrifft, hat der Deutsche Leichtathletik-Verband einen neuen Tiefpunkt erreicht, und das im Jahr vor den Weltmeisterschaften in Berlin. Schon vor dem abschließenden Hochsprung der Frauen hatte Bundestrainer Jürgen Mallow das Ergebnis jedoch zurechtrücken wollen. „Zwei Drittel der Mannschaft haben ein positives Ergebnis erreicht", sagte er.

"Die wollen immer mehr Medaillen, und was tun sie dafür?"

Mallow nutzte die Gelegenheit für eine scharfe Kritik am Bundesinnenministerium und dem Deutschen Olympischen Sportbund, die für die Sportförderung in Deutschland zuständig sind. „Irgendwann ist der Geduldsfaden gerissen, weil die so arrogant und hochnäsig mit uns umgehen. Die wollen immer mehr Medaillen, und was tun sie dafür? Nichts, nichts, nichts!", sagte Mallow.

Dabei sei die Leichtathletik nach wie vor olympische Kernsportart, in Deutschland drohe sie aber anzurutschen auf den Status einer Randsportart. Die deutschen Leichtathleten hätten genug Ideen, aber kein Geld sie auch umzusetzen. „Unsere Hauptkonkurrenten, die Nationen auf den Plätzen vier bis zehn, werden alle erheblich besser gefördert." Die Logik der deutschen Sportförderung sei diese: „Wenn man schwach abschneidet wird man noch schlechter gefördert."

Womöglich aber noch weniger Geld

Wenn es nach dem Ergebnis von Peking geht, müssten die deutschen Leichtathleten künftig noch weniger Geld bekommen. Geschwächt von der verletzungsbedingten Absage der Diskuswurf-Weltmeisterin Franka Dietzsch war die Mannschaft nach China gereist, und in den wenigen hoffnungsvollen Disziplinen kamen die meisten Athleten nicht an ihre Bestleistung heran. Allerdings zeigten auch einige Athleten gute Leistungen, Diskuswerfer Robert Harting kam auf Platz vier. „Wer angesichts dieser Platzierung und geworfenen 67 Metern von einem Misserfolg spricht, der sollte seine Ansprüche überdenken", sagte Trainer Mallow.

Antje Möldner lief über 3000 Meter Hindernis eine neue deutsche Rekordzeit. Die angenehmste Überraschung war der 20 Jahre alte Hochspringer Raul Spank aus Dresden, der mit persönlicher Bestleistung von 2,32 Meter Platz auf Platz fünf sprang. Auch andere deutsche Athleten kamen auf Platz fünf: die beiden deutschen Sprintstaffel und Speerwerferin Steffi Nerius.

Probleme mit dem Hintern

Höher hinaus hätte es für Ariane Friedrich gehen können. Doch sie plagte im Finale ein kleines Problem: „Ich habe seit zwei Tagen Probleme mit meinem Hintern. Der ist härter als ein Stein. Vor dem Wettbewerb habe ich ihn noch mal locker bekommen, aber dann ist der Muskel zugegangen." Da sei ihr es schwer gefallen, technisch sauber zu springen. „Aber ich habe mir nichts vorzuwerfen, weil ich mich falsch vorbereitet hätte. Es hat heute einfach nicht sein sollen."

Friedrich sah von außen zu wie die Favoritin Blanka Vlasic aus Kroatien am Ende noch besiegt wurde von der Belgierin Tia Hellebaut. Beide meisterten 2,05 Meter. Die Russin Anna Tschitscherowa wurde Dritte, und so wurde das Siegerpodest nach den drei Athletinnen abgebaut, ohne dass eine Deutsche noch einmal draufgesprungen wäre.

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