Leichtathletik : Berlin fliegt - Wowereit fliegt mit

Stabhochspringer Björn Otto und das deutsche Team triumphieren am Brandenburger Tor.

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Mit dem Stab übers Tor? Stabhochspringer Björn Otto übt schon mal vor historischer Kulisse in Berlin.
Mit dem Stab übers Tor? Stabhochspringer Björn Otto übt schon mal vor historischer Kulisse in Berlin.Foto: dpa

„Berlin fliegt“ nennt sich der ungewöhnliche Mannschaftswettbewerb von Weit- (Männer/Frauen) und Stabhochspringern, der am Sonntag bei banniger Hitze von 35 Grad auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor zum zweiten Mal stattfand. Vier Nationen messen dabei ihre Kräfte in Dreier-Teams, die jeweils vier Durchgänge auf eigens installierten Anlagen bei Sprüngen in die Sandgrube oder über die Latte absolvieren. Neben Gastgeber Deutschland mit Weitspringerin Sostehne Moguenara, ihrem Kollegen Sebastian Bayer und dem Londoner Silbermedaillengewinner im Stabhochsprung Björn Otto traten die USA, Russland und Frankreich an.

Vor allem die Amerikaner mit Weitsprung-Olympiasiegerin Brittney Reese, dem zweifachen Edelmetallgewinner Will Clay (Weit- und Dreisprung) und dem Stabhochsprung-Weltmeister von 2007 Brad Walker galten als Konkurrenten der Deutschen um den Mannschaftserfolg. Doch am Ende stand Deutschland mit 35 Zählern relativ deutlich vor den USA (29,5), Russland (24) und Frankreich (19,5), das ein Nachwuchs-Trio in die deutsche Hauptstadt geschickt hatte.

Vor mehr als 3000 Zuschauern hatten die Sieger und auch die anderen Beteiligten sichtlich Spaß an der Veranstaltung vor der historischen Kulisse. Und auch der mit kleinem Honecker-Hütchen ausgerüstete Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der ja derzeit nicht allzu viel Freude am Thema Fliegen hat, Innen- und Sportsenator Frank Henkel und Außenminister Guido Westerwelle gefielen sich in der Zuschauerrolle. Wowereit unterstrich in seinen kurzen, von wenigen Pfiffen begleiteten Begrüßungsworten noch einmal nachdrücklich, dass das „Berlin fliegt“-Spektakel sozusagen eine Begleitmaßnahme für die Bewerbung der Stadt für die Leichtathletik-EM 2018 ist.

Die sportlichen Leistungen waren angesichts der komplizierten technischen Umstände durchaus ansprechend. Im Weitsprung kam der Russe Alexander Menkov mit dem weitesten Satz auf 8,06 Meter, bei den Frauen landete Olympiasiegerin Reese bei 6,65 Meter, und im Stabhochsprung schaffte Brad Walker in einem der vier Durchgänge mit 5,78 Meter den höchsten Sprung. Die deutschen Punktebringer waren vor allem Weitspringer Bayer und Otto, die je drei der vier Vergleiche für sich entschieden und damit je vier Punkte aufs deutsche Konto brachten.

„Es ist was Besonderes, vor dieser Kulisse zu springen”, sagte Otto. Er mag die entspannte Atmosphäre solcher Innenstadt-Meetings wie sie auch vor dem Kölner Dom stattfinden. Im Moment, sagte Otto, habe er soviel Spaß an seinem Sport und am schmerzfreien Trainieren nach den vielen früheren Verletzungen, dass er sich einiges vorstellen könne, wie es weitergehen soll. Und lächelnd fügte er an: „London war ein Riesenspektakel. Aber Rio, das wird Karneval pur!“

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