Leichtathletik : Bolt hat wieder Konkurrenz - Gay rennt 9,75 Sekunden

Der Amerikaner Tyson Gay hat sich bei den US-Trials mit einer Spitzenzeit über 100 Meter zurückgemeldet, die allerdings mit Unterstützung des Windes zustande kam. Er selbst sagt: "Das war ein schlampiges Rennen."

Heiko Oldörp[dpa]
Gay will WM-Gold: «Bin immer noch der Weltmeister»
Da war er noch vor ihm. Tyson Gay gewann bei der WM 2007 in Osaka das 200-Meter-Rennen vor Usain Bolt (rechts).Foto: dpa

Eugene - Auch bei den schnellsten Männern der Welt hält ein Weltmeistertitel noch zwei Jahre. "Ich bin immer noch Weltmeister", hat Tyson Gay in diesen Tagen bemerkt und damit wieder an sich erinnert. Er war schon ein wenig in Vergessenheit geraten, nachdem der US-Amerikaner bei den Olympischen Spielen in Peking über 100 Meter schon im Halbfinale  ausgeschieden war. Seitdem reden alle nur noch über den neuen Weltrekordhalter und Olympiasieger Usain Bolt. Doch Gay hat bei den US-Trials in Eugene/Oregon wieder auf sich aufmerksam gemacht, mit 9,75 Sekunden im Vorlauf.

So schnell war noch keiner in diesem Jahr. Nur ein zu starker Rückenwind von 3,4 Metern pro Sekunde (zulässig 2,0 m/Sek.) verhinderten einen US-Rekord sowie eine Jahresweltbestleistung. 

Die schnelle Zeit war jedoch nicht Gays einzig bemerkenswerte Leistung in Eugene. Die andere war seine Schimpftirade nach dem Lauf.  Der 26-Jährige überraschte auf der Pressekonferenz mit Selbstkritik anstatt mit einem Siegerlächeln. „Ganz ehrlich, ich bin ein ganz schlimmes Rennen gelaufen. Mein Start war schlecht, meine Technik war schlecht und meine Konzentration stimmte nicht. Alles in allem war es eher eine Panne“, grantelte Gay und rief Staunen und Raunen unter den Medienvertretern hervor. „Das war ein schlampiges Rennen. Ich kann viel, viel schneller laufen. Der Schlüssel für mein Rennen ist der Start. Wenn ich endlich mal perfekt aus den Blöcken komme, fällt der Weltrekord“, sagte Gay.

Als Botschaft an Weltrekordhalter (9,69 Sekunden) Bolt wollte er seine Zeit aber nicht verstanden wissen.  „Ich mache mir derzeit keine Gedanken um ihn, sondern erst, wenn es soweit ist. Die Zeit war kein Zeichen an ihn oder irgendjemand anderen, sondern nur an mich. Sie zeigt mir, dass ich noch viel schneller sein kann, wenn mir ein sauberes Rennen gelingt.“ In Eugene wird er dafür keine Gelegenheit mehr haben. Denn Gay kündigte an, auf weitere Starts bei den Trials zu verzichten.

 Als Titelverteidiger ist der Amerikaner automatisch für die Weltmeisterschaften vom 15. bis 23. August in Berlin qualifiziert, wo es zum großen Showdown mit dem Jamaikaner Bolt kommen dürfte. „Ich erwarte eine ganz schnelle Zeit und freue mich auf ein schnelles Rennen. Wir sind beide in diesem Jahr schon windunterstützte 9,7 Sekunden gelaufen.“

 Keinen Extra-Bonus gab es für den „König der Athleten“, Bryan Clay. Der Zehnkampf-Olympiasieger von Peking musste aufgrund einer Verletzung im linken Oberschenkel seinen Start kurz vor Wettkampfbeginn absagen und wird somit in Berlin fehlen. „Ich hatte schon so ein Gefühl, dass die Zeit wahrscheinlich zu kurz sein wird, um die Sache auszukurieren. Ich hatte bereits beim Joggen Schmerzen“, sagte Clay, der zum 100-Meter-Lauf antreten wollte, dies jedoch nach dem Aufwärmen aufgab. „Unser ultimatives Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren den Weltrekord anzugreifen“, so Clay, der jetzt seinem Landsmann Trey Hardee den WM-Titel gönnt. Hardee führte nach fünf Disziplinen mit 4337 Punkten.

 Im Diskuswurf gelang Olympiasiegerin Stephanie Trafton mit 64,25 Metern der erwartete Titelgewinn. Über 10 000 Meter der Frauen musste Shalane Flanagan eine überraschende Niederlage einstecken. Die Olympia-Dritte wurde mit 74/100 Sekunden Rückstand auf Amy Begley (31:22,69 Minuten) Zweite.

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