Sport : Leichtathletik: Briefmarkensammler besucht die Ufa

Ernst Podeswa

Er sei in Hamburg nur wegen einer Briefmarkenauktion gewesen, versichert Sven-Arne Hansen. Das klingt glaubhaft, denn der Mann betreibt in Oslo ein Briefmarkengeschäft. Aber Hansen ist dort auch Direktor des Leichtathletik-Sportfestes Bislett-Games. Das gehört wie das Berliner Istaf zu den sieben Stationen der Golden-League-Serie. Die wiederum wird maßgeblich von ISL vermarktet, einer Tochter des im Konkurs befindlichen Schweizer Sportvermarktungs-Giganten ISMM. "Ein Bankrott von ISL würde unser Sportfest am 13. Juli nicht gefährden", sagt Hansen, "denn ISL ist bei uns nur für Sponsoren im Umfang eines Drittels des Etats zuständig. Wir vertrauen unserem Hauptsponsor aus der Ölbranche."

Ähnlich ist die Situation bei den Organisatoren in Zürich, Brüssel, Paris und Rom. Auch dort spielt ISL keine Hauptrolle. Ganz im Gegensatz zu Monaco und Berlin. So waren dem Berliner Istaf in diesem Jahr 1,6 Millionen Mark von ISL garantiert worden - fast die Hälfte des Budgets für das Leichtathletik-Fest am 31. August. Während in Oslo die zugesagten ISL-Gelder bereits eingingen, passierte das in Berlin wegen der Personalquerelen beim Istaf nicht. Ob das Geld jemals eintrifft, weiß derzeit keiner.

Da hilft es auch nicht, dass Istvan Gyulai, Generalsekretär des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, bekundet: "ISL war bis heute ein guter Partner und ist bei uns schuldenfrei. So sind auch die Weltmeisterschaften im August in Edmonton nicht in Frage gestellt." Auch deshalb sei im Vorjahr die weitere Zusammenarbeit über zehn Jahre mit ISL vereinbart worden. Das betreffe die Nutzung der Fernsehrechte "außerhalb der Eurovision" sowie die Vermarktung aller Weltmeisterschaften im Freien und in der Halle. Dafür kassiere die IAAF eine "Summe, die etwa 35 Prozent unserer Gesamteinnahmen ausmacht". Doch was passiert, wenn die Pleite ISL/ISMM ereilt? Der Ungar sieht drei Szenarien: ISL geht bankrott, und die IAAF ist einer der Gläubiger, die auf Erlöse aus der Konkursmasse hoffen müssen. Oder ISL findet einen Kreditgeber und überlebt. Dann bleibt alles, wie es ist. Oder ISL wird gekauft - mit allen Rechten und Pflichten. In dem Falle sei denkbar, "dass der neue Besitzer neue Verträge aushandeln will". Die IAAF sei auf alle drei Möglichkeiten vorbereitet. Gut für das Istaf und die anderen Sportfest-Organisatoren übrigens, dass die IAAF ihren Anteil für den Erwerb der internationalen Fernsehrechte in jedem Falle überweisen wird.

Stärker als der Leichtathletik-Verband sind der Fußball-Weltverband Fifa, die Tennis-Profitour und der Schwimm-Weltverband von den Turbulenzen bei ISL betroffen. Florian Wanninger, Presseprecher des Basketball-Weltverbandes Fiba, allerdings bleibt gelassen: "Unsere Verträge über EM und WM mit ISL laufen nur bis 2002. Da wir nur marktübliche Preise ausgehandelt hatten, gäbe es bei uns keine Probleme, neue Vermarkter zu finden."

Der Briefmarkenhändler Sven-Arne Hansen aus Oslo schließt übrigens nicht aus, beim nächsten Hamburg-Trip auch mal bei Ufa-Sports vorzusprechen. Das ist eine Tochter des Medienriesen Bertelsmann, dem beträchtliche Übernahmegelüste von ISL nachgesagt werden.

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