Sport : Leichtathletik: Dem Schnellen Dortmund geht die Puste aus

Robert Hartmann

Die bezahlte deutsche Leichtathletik bekommt in diesem Herbst die Gewinnwarnungen aus der Wirtschaft in einer Weise zu spüren, die an ihre Existenz geht. Nach dem zur Ehrenamtlichkeit zurückgekehrte LAC Quelle Fürth/1860 München ruft nun auch die hoch ambitionierte LG Olympia Dortmund nach Hilfe. Präsident René Scheer spricht schon von einer drohenden Insolvenz. Dem Verein fehlen 350 000 Mark an Sponsorengeldern, und deshalb kann die Gruppe der 400-m-Läufer nicht mehr bezahlt werden. Ihr Kopf, der Weltmeisterschaftszweite Ingo Schultz, ist immerhin der zurzeit wohl größte Sympathieträger hier zu Lande für seine Sportart. Er hatte sich erst vor einem Jahr den Dortmundern angeschlossen. Der Schlag kam also plötzlich und unverhofft.

Ihre zweite Elitegruppe, die Sprintstaffel der Frauen mit den Rockmeier-Zwillingen und der Junioren-Weltmeisterin Sina Schielke, versuchen die Dortmunder zu halten. Das gelingt jedoch nur, wenn auf die Schnelle 120 000 Mark eingesammelt werden können. Fällig geworden ist ein Bittgang zur Stadt. Sie wirbt mit dem Slogan: "Das Neue Dortmund ist das Schnelle Dortmund." Dass irgendwo in Deutschland ein Stadtsäckel ausreichend mit Geld gefüllt sein soll, würde allerdings überraschen.

Woche für Woche prasseln zurzeit die Hiobsbotschaften über der deutschen Leichtathletik zusammen. Wie die Fürther organisierten die Dortmunder auch ein internationales Sportfest, die einen im Sommer, die anderen im Winter unterm Hallendach, und beide eroberten sich in der nationalen Rangliste den zweiten Platz. Sie stehen genauso zur Disposition wie die gewiss niedriger bewerteten Veranstaltungen in Chemnitz, Halle und Ingolstadt, die entweder schon untergegangen sind, oder denen das Wasser schon bis zum Hals steht. Hierzu passt, das selbst das Berliner Istaf am 31. August mit einem hohen Defizit abschloss und die bekannt gegebene Zuschauerzahl von 41 000 heftig geschönt gewesen sein soll.

Die LG Bayer Leverkusen mit dem Milliarden schweren Chemiekonzern im Hintergrund bietet sich zunächst allein für die eigenen Sportler als ein sicherer Hafen an. "Wir haben eine etwas angespannte Situation", sagt Geschäftsführer Paul-Heinz Wellmann. Der Trikotsponsor "Aspirin" hat sich zurückgezogen, und deshalb "fahren wir einen relativ sparsamen Kurs". Das nach draußen gegebene Signal heißt, dass man sich in der Wechselphase zwischen dem 1. Oktober und dem 30. November absolut passiv verhalten wolle. "Wir haben ja schon genug gute Athleten." Darunter befindet sich der Hochsprung-Weltmeister Martin Buß. Wellmann legt Wert darauf, dass die Sponsorensuche weitergehe und dass es ihnen überhaupt nicht schlecht gehe. "Wir möchten immer noch mit zwanzig Athleten zu den Europameisterschaften in München 2002." An Schultz würde der Verein nicht herantreten. Einer Verpflichtung würde auch das langfristige Konzept entgegenstehen, alle Athleten in Leverkusen ansässig zu machen. Gerade erst ist eine hoch moderne Leichtathletik-Halle ihrer Bestimmung übergeben worden.

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