Leichtathletik : Die Basis muss größer werden

Bei der Leichtathletik-EM blieben viele Zuschauerplätze leer. Unser Autor sucht nach einem Zukunftskonzept für die Leichtathletik und meint, ein Volkssport sollte auch volkstümliche Preise haben.

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Am Ende war das Stadion auch voll. Christina Schwanitz siegte im Kugelstoßen.
Am Ende war das Stadion auch voll. Christina Schwanitz siegte im Kugelstoßen.Foto: AFP

Laufen, Springen und Werfen können nie aus der Mode kommen. Ist es also eine Lebensversicherung für die Leichtathletik, dass ihre Bewegungen so natürlich und zeitlos sind? Einerseits ja, Wettrennen wird es immer geben. Nur sind die großen Veranstaltungen keine Selbstläufer mehr. Denn das Interesse, auch anderen beim Laufen, Springen und Werfen zuzuschauen, schwankt. Aus Zürich, einem ihrer Lieblingsorte, nimmt die Leichtathletik auch genau diesen Auftrag mit. Menschen dafür zu begeistern, sich diese faszinierenden und ästhetischen Wettkämpfe im Fernsehen und bestenfalls im Stadion anzuschauen.

Denn selbst im Letzigrund, einem verhältnismäßig kleinen Stadion, blieben viele Plätze leer. Die Arbeit, das in zwei Jahren bei der EM in Amsterdam und bei der EM in vier Jahren zu ändern, beginnt jetzt. 2018 richtet Berlin die Europameisterschaften aus und muss nicht mehr nur 20.000 Besucher anlocken wie Zürich, sondern 59.000, so viele passen bei dieser Veranstaltung ins Olympiastadion. Usain Bolt kann dann nicht mehr helfen wie noch bei der WM 2009, allenfalls noch Berlino.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat „soziale Eintrittspreise“ angekündigt. Da ist schon mal eine gute Nachricht, denn ein Volkssport sollte auch volkstümliche Preise haben, damit gerade auch Familien ins Stadion kommen. Die Durchschnittsbesucher in Zürich waren freundliche und kultivierte Ehepaare, deren Kinder schon aus dem Haus sind. Sie schufen eine faire Atmosphäre im Stadion, ein Markenzeichen der Leichtathletik. Ihre Basis vergrößern kann die Sportart so allein jedoch nicht.

Erfolge von deutschen Athleten werden es leichter machen, das Stadion 2018 zu füllen. Von den vielen jungen Athleten, die in Zürich für Deutschland gestartet sind, könnten einige in vier Jahren in ihrem besten Alter sein. Noch leichter wird es, wenn ihre Wettkämpfe im Stadion verständlich und übersichtlich präsentiert werden. Und die Leichtathletik braucht eine originelle Werbekampagne, um wieder breit zu vermitteln, was ihren Wert ausmacht.

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