Leichtathletik : Ein Ladenhüter namens Usain Bolt

Knapp vier Wochen vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft ist erst die Hälfte aller Karten verkauft.

Frank Bachner
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Gemach, gemach. Wer unbedingt noch WM-Tickets möchte, kann sich Zeit lassen. Es sind noch genügend Karten im Angebot. Foto: dpa

Berlin - Der Start war miserabel, das gibt Usain Bolt gerne zu, das macht seine Leistung nur noch spektakulärer. 9,79 Sekunden ist der Jamaikaner gerade beim Golden-League-Meeting in Paris über 100 Meter gesprintet, damit lag er nur eine Zehntelsekunde über seinem Weltrekord. Die 9,69 Sekunden hatte er 2008 bei seinem legendären Olympiasieg in Peking erreicht, und jetzt gibt er wieder ganz den Sprücheklopfer. Das gehört zu seiner Rolle, das muss so sein. „Ich denke, es ist sehr wichtig, der Welt zu zeigen, dass das letzte Jahr kein Witz war“, tönte er in Paris. In Berlin, bei der Leichtathletik-WM, will er das alles der Welt beweisen.

Beim WM-Organisationskomitee in Berlin könnten sie ihn küssen für diesen Spruch. Das 100-Meter-Finale findet am Sonntag, 16. August, dem ersten WM-Wochenende, statt, und für dieses Wochenende suchen sie beim OK noch händeringend Leute, die Tickets kaufen. „Etwas irritiert“ ist Heinrich Clausen, der OK-Chef, über den Kartenverkauf an diesen beiden Tagen. Das ist die nette Umschreibung für die Tatsache, dass noch tausende Karten zu haben sind. An dem Wochenende wird unter anderem Gold im 20-Kilometer-Gehen bei den Männern und Frauen vergeben, im 10 000-Meter-Lauf der Frauen und im Kugelstoßen der Männer und Frauen. Brüller sind das alles nicht. Der Samstag ist erst zu knapp 40 Prozent ausverkauft.

Deshalb gibt Clausen auch 10 000 – offiziell nur verbilligte – Karten an ein Unternehmen ab. Das soll in Eigenregie in Bussen tausende Fans ins Stadion fahren. Und ein Werbepartner des OK bietet für den Eröffnungstag 2500 Tickets mit 25 Prozent Rabatt an.

Rund 250 000 Karten sind bis jetzt verkauft, das ist gerade mal die Hälfte von dem, was kalkuliert ist. Laut Geschäftsplan sollen allein durch den Ticketverkauf 15 Millionen Euro in die WM-Kasse gespült werden. Knapp sechs Millionen Euro sollen über Logenverkauf und Sponsoreneinnahmen hereinkommen. 27 Logen hat das OK im Angebot, 40 weitere hat der Weltverband IAAF geblockt. Doch von den 27 sind noch viele zu haben. „Die Logen sind unser Sorgenkind“, gibt Clausen zu.

Die Logen sind aber nur eine von mehreren Problemzonen. Ein großes Bankinstitut, das sich seit Jahren in der Leichtathletik engagiert und auch bei der WM werben wollte, hatte plötzlich Pech: Die IAAF verpflichtete unerwartet eine russische Bank, die zwar niemand in Deutschland kenne, die aber nach Tagesspiegel-Informationen einen hohen Millionenbetrag zahlt und hinter der Bewerbung von Sotschi für die Olympischen Spiele 2014 steht. Und auch Marketing-Chef Michael Mronz hatte einen eher durchschnittlichen Auftritt: Mronz hatte im Februar verkündet, es seien bereits 200 000 Karten verkauft worden. Das hörte sich gut an, war aber nicht ganz korrekt. In Wirklichkeit waren von diversen Kunden nur 200 000 Karten geblockt worden. Ob so viele auch gekauft würden, war damals noch nicht klar .

Aber OK-Chef Clausen, der auch schon die Europameisterschaft 2002 in München organisiert hatte, ist noch einigermaßen gelassen. „In München sahen die Zahlen vier Wochen vor der EM noch viel erschreckender aus.“ Seit der Deutschen Meisterschaft sei der Kartenverkauf stark angestiegen. Aber „wir werden an der Tageskasse viele Karten verkaufen müssen“.

Die Frage ist nur, wie viele an den Kartenhäuschen dann weggehen. Nun ist eine neuntägige WM mit umfassendem sportlichen Angebot schwer zu vergleichen mit einem Ein-Tages-Wettbewerb wie dem Istaf, aber der Blick auf die Istaf-Erfahrungen ist dennoch interessant. Gerhard Janetzky, der Meeting-Chef des Golden-League-Meetings Istaf, sagt, er habe für sein Sportfest 2009 an der Tageskasse 65 Karten verkauft, genau 65. Die größte verkaufte Ticketzahl an der Tageskasse habe in den vergangenen Jahren lediglich 500 Tickets betragen. Einen Plan, an der Tageskasse Tausende von Tickets an den Mann zu bringen, bezeichnet Janetzky, der 2007 im Streit aus dem Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees ausgeschieden ist, als „völligen Irrsinn“.

Außerdem, sagt Janetzky, habe er Monate vor dem Meeting mit der Werbung begonnen. Clausen dagegen steigt jetzt erst in die intensive Werbephase für die WM ein. Diverse Sportler haben sich zwar bereits beklagt, dass zu wenig für die WM getrommelt würde, doch Clausen bleibt da ganz locker: „Wenn wir früher angefangen hätten, dann wäre das rausgeworfenes Geld gewesen.“ Jetzt werde in Rundfunk-Spots und in ganzseitigen Anzeigen für die WM geworben. Außerdem habe sich das OK bemüht, prominente Sportler für PR-Termine zu verpflichten. Doch das sei leider oft genug gescheitert. „Die wollen sich ja intensiv auf die Weltmeisterschaft vorbereiten.“

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