• Leichtathletik-EM - Nach Gold im Diskuswerfen: Warum Robert Harting sein Trikot diesmal nicht zerriss
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Leichtathletik-EM - Nach Gold im Diskuswerfen : Warum Robert Harting sein Trikot diesmal nicht zerriss

Nachdem der Sieg von Robert Harting am Mittwochabend feststand, warteten alle auf seine typische Siegerpose. Doch der Diskuswerfer zuckte nur kurz, entledigte sich dann aber ganz ohne Zerreißorgie seines Trikots - aus familiären Gründen.

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Angesetzt, aber nicht durchgezogen. Robert Harting täuscht das Trikotzerreißen nur an.
Angesetzt, aber nicht durchgezogen. Robert Harting täuscht das Trikotzerreißen nur an.Foto: dpa

Eine ältere Dame hat erfolgreich Einfluss auf das Siegeszeremoniell von Robert Harting genommen. Als der Berliner mit seiner Arbeit fertig war und erwartungsgemäß das Diskuswerfen bei der Leichtathletik-EM im Letzigrund-Stadion von Zürich gewonnen hatte, sollte erwartungsgemäß das Zerreißen seines Trikots folgen. Doch Harting deutete nur eine Zerreißprobe an, zog sich das Trikot über den Kopf und machte es sich dann auf ihm gemütlich wie auf einem Kopfkissen. „Das war die Möglichkeit für mich, mal etwas für meine Oma zu tun“, sagte Harting. Die hatte ihm nämlich einmal mitgeteilt, dass sie die mutwillige Zerstörung des Nationaldresses nicht gut finde. „Sie kommt eben aus einer anderen Generation.“ Nun geht also kein Riss mehr durch die Familie.

Auch sonst war Harting froh, die Form bei dieser EM gewahrt zu haben. Die Bedingungen waren nicht einfach, das Diskuswerfen wurde wegen eines Unwetters nach hinten verschoben, Regen machte den Boden des Stadions spiegelglatt. Schon beim Aufwärmen rutschte Harting aus und fürchtete jedes Mal, wieder aus dem Gleichgewicht zu geraten, nur wenn er seinen Platz verließ um sich ein bisschen zu bewegen. „Das hat mir die psychischen Arbeitsmuster genommen.“

Die Konkurrenz machte es ihm zwar etwas leichter, weil sie ihn nicht richtig gefährdete, aber angesichts der widrigen Umstände bekam diese EM in einem Übergangsjahr, wie Harting es genannt hatte, ihren eigenen Wert. „Das waren die schlimmsten Würfe meines Lebens und der schwierigste Titel, den ich gewonnen habe“, sagte er und ordnete die Europameisterschaft, seine zweite hintereinander und sein fünfter Sieg bei einem Großereignis in Serie, ganz oben ein: „Dieser Titel kommt nicht mit weitem Abstand nach dem Olympiasieg, weil es eine ganz große Kopfleistung für mich war.“ Hartings Siegweite war denn auch für seine Verhältnisse nicht berauschend, 66,07 Meter, aber damit „bin ich happy, auch wenn es etwas billig riecht“.

Ob er 2018 bei der EM in Berlin startet, ließ Robert Harting offen

Der Tag nach seinem Sieg begann für Harting dann mit einem ungewohnten und schönen Gefühl: „Heute ist der einzige Tag im Jahr, an dem ich nicht an meine Form denken muss. Sonst stehe ich auf und frage mich immer gleich, wie die Form ist.“ Zwei Tage werde er nun aussetzen und dann wieder ins Training einsteigen. Schon in zwei Wochen steht das Istaf im Berliner Olympiastadion auf dem Programm.

Das Olympiastadion könnte auch zur karriereverlängernde Maßnahme für Harting werden. 2016 nach den Olympischen Spielen sei eigentlich ein guter Zeitpunkt, um übers Aufhören nachzudenken, sagte er. Doch 2018 findet in Berlin die EM statt, und so weit wie bei seinem WM-Sieg 2009 am selben Ort, 69,43 Meter, hat Harting seitdem nicht mehr bei einer großen Meisterschaft nicht mehr geworfen. „Da will ich wieder hin“, sagte Harting. Hin zu dieser Weite und wohl auch noch mal hin zu einer großen Meisterschaft in seinem Heimstadion. 

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