Leichtathletik-EM : Robert Harting greift in Zürich nach dem nächsten Titel

Er ist das Gesicht der deutschen Leichtathletik. Bei den Europameisterschaften in Zürich will Robert Harting den nächsten Titel im Diskuswerfen gewinnen - und seinen Sport voranbringen.

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Für Robert Harting ist 2014 ein Übergangsjahr, den EM-Titel will er trotzdem.
Für Robert Harting ist 2014 ein Übergangsjahr, den EM-Titel will er trotzdem.Foto: dpa

Bei zwei Gewinnspielen möchte Robert Harting gerne abräumen, und um die Hauptpreise mitzunehmen, hat er viel arbeiten müssen. Für das eine Spiel körperlich, für das andere geistig. Harting hat versucht, in beides ausreichend Zeit zu investieren, ob es genug war, weiß er im Fall des ersten Spiels spätestens am Mittwochabend, wenn in Zürich bei den Leichtathletik-Europameisterschaften das Diskusfinale stattfindet. An diesem Dienstag muss er sich dafür qualifizieren. Um im zweiten Gewinnspiel Erfolg zu haben, braucht Harting noch mehr Glück, denn er hat den Ausgang nicht in der eigenen Hand. Es geht um ein Projekt, das aber auch mit seinem Namen verbunden ist, weil er es mit ins Leben gerufen hat, die Deutsche Sportlotterie. Sie soll ihren Losverkauf im September starten, auch die erste Ziehung ist noch im September geplant.

In Zürich geht es für Harting zunächst um fünf Richtige und Zusatzzahl. Fünf Richtige, weil die Goldmedaille sein fünfter Titel bei einer großen Meisterschaft in Folge wäre nach WM 2011, EM 2012, Olympia 2012 und WM 2013. Harting würde damit seinen Ruf des starken Zweiflers steigern, eines Athleten, der zwischendurch nicht mehr weiß, was er von sich selbst halten soll, aber beim Saisonhöhepunkt auf einmal wieder unerschütterlich auftritt und jedes Psychospielchen für sich entscheidet.

Robert Harting könnte den fünften internationalen Titel in Folge gewinnen

Nun ist eine Europameisterschaft für Harting nicht mehr die allergrößte Herausforderung, zumal er sich in einer Phase des Umbruchs befindet. „2014 ist ein Übergangsjahr auf dem Weg zu Olympia. Da ist der Erfolg nicht ganz so wichtig“, sagt er. Der 29 Jahre alte Athlet des SC Charlottenburg hat sich von seinem langjährigen Trainer Werner Goldmann getrennt und arbeitet nun mit Torsten Schmidt an einer Weiterentwicklung. „Wir verstehen uns prima, sprechen dieselbe Sprache.“ Im Training haben sie einiges verändert, manchmal wirft Harting den Diskus auch mal mit links oder greift zum Speer oder zum Hammer.

Den EM-Gewinn möchte Robert Harting gerne mit der richtigen Zusatzzahl aufwerten. Das wären mehr als 68,87 Meter. Diesen Meisterschaftsrekord, aufgestellt von seinem Rivalen Piotr Malachowski aus Polen bei der Europameisterschaft 2010 in Barcelona, würde Harting gerne auch noch haben, es wäre der Jackpot in Zürich. Alles deutet derzeit wieder auf ein Duell mit dem Polen hin. Malachowski brachte es in diesem Jahr bislang auf die größte Weite, 69,28 Meter, Hartings Bestleistung liegt bei 68,47 Meter. Im direkten Duell gewinnt jedoch fast immer Harting.

Gelingt der Start der Sportlotterie, wäre das eine Bestätigung für Harting

Nach einem Sieg in Zürich könnte Harting dann die Saison entspannt ausklingen lassen, noch einmal am 31. August beim Istaf im Olympiastadion sein Revier verteidigen und sich neben der Abgabe seiner Bachelorarbeit in Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation aufs zweite Gewinnspiel konzentrieren. Es geht nicht nur um eine halbe Million Euro Hauptgewinn für die Teilnehmer jede Woche, für Harting steht etwas anderes auf dem Spiel.

Gelingt der Start der Sportlotterie, wäre das eine Bestätigung, dass Harting nicht nur ständig an alle Adressen und jeden Funktionär Forderungen aufstellt, sondern selbst auch etwas erreicht, es vielleicht sogar besser gemacht hat als die Profifunktionäre. In der Sportlotterie steckt auf jeden Fall viel positive und negative Energie des Querkopfs Harting, viel Ärger über fehlende Wertschätzung, aber auch viel Elan, im Sport etwas zu verändern. Die Erträge der Sportlotterie sollen das Auskommen von Olympiaathleten verbessern, ihnen eine bessere Grundlage verschaffen, aber eben auch Anerkennung für viel Trainingseinsatz und damit verbundene Entbehrungen. „Es ist sagenhaft, was die Lotterie für Kraft gekostet hat. Und immer drohte das Unheil, dass wir trotz all der Arbeit gar keine Lizenz bekommen“, sagt er. Das mit der Lizenz hat Harting mit den Verantwortlichen der Sportlotterie immerhin geschafft, es war wie die Qualifikation für einen ganz großen Wettbewerb. Nur das Werbeverbot muss jetzt noch aufgehoben werden, damit die Lotterie wirklich ein Millionenspiel werden kann. Und ein Hauptpreis in der Karriere von Robert Harting.

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