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Leichtathletik-EM : Speerwerferin Linda Stahl holt Bronze in Zürich

Lange Zeit führt Speerwerferin Linda Stahl den Wettkampf bei der EM an - kurz vor Schluss fällt die Leverkusenerin dann aber auf Rang drei zurück.

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Weite im Blick. Linda Stahl führte vier Durchgänge lang das Feld an, musste sich aber am Ende mit Bronze begnügen.
Weite im Blick. Linda Stahl führte vier Durchgänge lang das Feld an, musste sich aber am Ende mit Bronze begnügen.Foto: dpa

Wenn noch eine Botschafterin gesucht wird für die Vereinbarkeit von Studium und Spitzensport – bitte sehr, hier ist sie. Linda Stahl hat bei den Europameisterschaften im Züricher Letzigrundstadion die Bronzemedaille Speerwerfen gewonnen. So viel zum Sport. Außerdem hat sie in diesem Jahr ihr Studium abgeschlossen. Nicht etwa irgendein Fernstudium mit allerlei Gruppenarbeiten, nein, sie hat ihr letztes Staatsexamen in Medizin bestanden und ist nun als Ärztin zugelassen.

So zieht sich das durch die letzten Jahre, bestandene Prüfungen und internationale Medaillen. 2010 holte sich Stahl den EM-Titel. Zwei Jahre später wurde sie bei der EM Dritte und gewann bei den Olympischen Spielen in London die Bronzemedaille. Nun also, im Jahr ihres Studienabschlusses, die nächste wertvolle Plakette.

Es war ein kurioser Wettkampf. Aus der Kurve wurde Linda Stahl mit einem Roten Kreuz und Gruß aus dem Klinikum Leverkusen angefeuert, wo sie ihr Praktisches Jahr absolviert hatte. Die 28-Jährige fing stark an und setzte sich mit 63,91 Meter gleich an die Spitze. Da blieb sie auch erst einmal und der Wettkampf plätscherte vor sich hin. Niemand schien Stahl den Sieg streitig machen zu wollen – bis zum fünften Durchgang. Da verdrängte zunächst die Serbin Tatjana Jelaca Stahl mit neuem Landesrekord von 64,21 Metern von Platz eins, und direkt mit dem nächsten Wurf warf sich Olympiasiegerin Barbora Spotakova mit 64,41 Metern an die Spitze. Die Tschechin hatte bis dahin eher zurückhaltend geworfen. Im vergangenen Jahr hatte sie einen Sohn geboren und erst langsam wieder ihre Form aufgebaut. Jelaca und Spotakova überrumpelten Stahl, und in den beiden ihr verbleibenden Würfen konnte sie nicht noch einmal kontern.

Spotakova hüpfte jubelnd durch den Innenraum, vielleicht hat die zweifache Olympiasiegerin und Weltrekordhalterin noch kein Sieg so überrascht. Zu den ersten Gratulanten gehörte nicht nur ihr kleiner Sohn mit Schnuller, sondern auch Weltmeisterin Christina Obergföll, die mit ihr gut befreundet ist und selbst im Juni einen Sohn zur Welt gebracht hat.
Auch in einem anderen Finale des Abends wäre eine deutsche Medaille möglich gewesen, aber Stabhochspringerin Lisa Rizyh verpasste sie als Vierte äußerst knapp. Außerdem gab es zwei Nachrichten rund um Trikots. Der Sieger des 3000-Meter-Hindernislaufs, Mahiedine Mekhissi-Benabbad aus Frankreich, wurde disqualifiziert, weil er vor dem Ziel sein Trikot ausgezogen hatte. Und Robert Harting erklärte, warum er am Abend zuvor nach dem Sieg im Diskuswerfen nicht wie sonst sein Trikot zerrissen hatte: „Das war die Möglichkeit, mal etwas für meine Oma zu tun.“ Die hatte ihm nämlich mitgeteilt, dass sie die mutwillige Zerstörung des Nationaldresses nicht gut finde. Friedhard Teuffel

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