Leichtathletik-Hallen-WM : Team Ukraine - Botschafter für den Frieden

Das ukrainische Team versucht, bei der Hallen-Leichtathletik-WM nicht nur Medaillen zu gewinnen: "In Sopot sind wir auf einer einzigartigen Mission", sagt Delegationsleiterin Natalja Dobrynska.

Reinhard Sogl
Walk on by: Die Russin Koneva freut sich über ihre Goldmedaille im Dreisprung, daneben die ukrainische Silbermedaillengewinnerin Saladukha.
Walk on by: Die Russin Koneva freut sich über ihre Goldmedaille im Dreisprung, daneben die ukrainische Silbermedaillengewinnerin...Foto: Reuters

Im Dezember 2006 ist Dreispringerin Olga Saladukha von ihrem nationalen Verband mit dem Titel „Anmut und Schönheit der ukrainischen Leichtathletik“ ausgezeichnet worden. Mehr als sieben Jahre sowie einen WM-Titel und zahlreiche internationale Medaillen später ist davon nicht mehr viel übrig geblieben. Die 30-Jährige wirkte arg bedrückt, als sie am Freitag nach der Dreisprung-Qualifikation bei der Hallen-WM im polnischen Sopot an den Journalisten vorbeieilte. Mit einem Handzeichen lehnte die Frau aus dem russischorientierten Donezk im Osten der Ukraine selbst einen kurzen Satz zu ihrem langen Sprung auf 14,31 Metern ab, mit dem sie gleich auf Anhieb die für den Einzug ins Finale am Samstag geforderte Weite um einen Zentimeter übertroffen hatte. Danach saß sie lange Zeit unbeweglich an der Anlage, bis alle Teilnehmerinnen ihre Versuche beendet hatten.

Saladukha flog zwar weit, aber die Leichtigkeit ist nicht nur bei der Dreispringerin dahin. Mit 20 Sportlern nimmt das Team aus der vom Krieg bedrohten Ukraine an den Titelkämpfen in Polen teil, doch diesmal geht es den Sportlern aus der krisengeschüttelten Nation nicht allein um Medaillen und Bestleistungen. „In Sopot sind wir auf einer einzigartigen Mission. Hier sind wir nicht nur Athleten, sondern auch Botschafter für den Frieden“, sagte Natalja Dobrynska. Die Siebenkampf-Olympiasiegerin von 2008 und Hallen-Weltmeisterin von 2012 im Fünfkampf mit dem noch gültigen Weltrekord von 5013 Punkten hat vor einem Jahr ihre Karriere beendet und ist bei dieser WM Delegationsleiterin der ukrainischen Mannschaft.

In einem offiziellen Statement zeigte das Team Flagge für den Staat mit den blau-gelben Landesfarben. „Wir wollen betonen, dass wir ein untrennbares und einiges Land sind“, teilte die Mannschaft mit. Natalja Dobrynska betonte, dass sich niemand mit kriegerischen Auseinandersetzungen konfrontiert sehen wolle. „Wir wollen in Frieden leben wie alle Menschen in der Welt.“ Die 31-jährige befand aber auch, dass Sport und Politik getrennt bewertet werden sollten.

Zumindest mit dieser Meinung dürfte sie auch bei Sergej Bubka auf Zustimmung gestoßen sein. Der ehemalige Stabhochspringer und aktuelle Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine ist Parteigänger des entmachteten Präsidenten Viktor Janukowitsch, der wie er aus Donezk stammt. Sein Vermögen von kolportierten 280 Millionen Euro soll der 50-Jährige auch mittels seiner Verbindungen zur Elite gemacht haben.

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