Sport : Leichtathletik: In Berlin siegen wie einst Owens und Nehemiah

Ernst Podeswa

Als Macher eines renommierten Leichtathletik-Sportfestes sollte man auch mal in den Statistiken blättern. Stephane Franke hat sich daran gehalten. Und so war der Direktor des Internationalen Stadionfestes (Istaf) am 31. August im Olympiastadion bei der gestrigen Pressekonferenz gut präpariert. Immerhin galt es, prominente Gäste vorzustellen: Grit Breuer, Europameisterin über 400 m, Lars Riedel, fünfmaliger Weltmeister im Diskuswurf, und Allen Johnson (USA), dreifacher Weltchampion über 110 m Hürden. "Werden Sie in Berlin ihren fünften Saisonerfolg anstreben, um dann bei der Jackpot-Ausschüttung der Golden League von einer Million Dollar dabei zu sein?", fragte Franke den Amerikaner. Der wollte das schon am Freitag in Brüssel klar machen, "aber ich hätte nichts dagegen, wenn das hier passiert". Franke erinnerte dann daran, dass Renaldo Nehemiah vor 20 Jahren in Berlin gewonnen hat. Jener ist nicht nur Johnsons Manager. Er war auch der erste Hürdensprinter, der die 13-Sekunden-Barriere durchbrach und den Weltrekord auf 12,93 Sekunden drückte. "Oh, ja", sagte Johnson, "ich bin stolz, dass er mein Manager ist. Und wir reden manchmal darüber, wie ein Rennen zwischen uns wohl ausgegangen wäre." Eine Sache von Hundertstelsekunden, denn Johnsons Bestzeit liegt bei 12,92 Sekunden. Nur eine Hundertstel schneller war Weltrekordler Colin Jackson (Großbritannien).

Johnson scheint nicht nur wegen Nehemiah zu einem Sieg beim 60. Istaf verpflichtet, das voraussichtlich mit 15 aktuellen Weltmeistern besetzt ist. Ihm sei erst beim ersten Istaf-Start 1994 bewusst geworden, so Johnson, dass es dieses Stadion war, wo Jesse Owens 1936 vier olympische Goldmedaillen gewonnen hat. "Owens ist ein Idol in den USA, weil er soziale und rassistische Schranken überwunden hat." Deshalb sei es für ihn "immer etwas Besonderes, im Olympiastadion zu laufen". Johnson, ein Allroundathlet mit Bestmarken von 8,14 m und 2,11 m im Weit-und Hochsprung, wird es nicht leicht haben, seinen zweiten Sieg nach 1998 hier zu erkämpfen. Denn der Olympiasieger von Sydney, Anier Garcia aus Kuba, ist ein ebenbürtiger Rivale. Der Unterschied zwischen großen Meisterschaften und einem Meeting liegt für Johnson darin, "dass du bei einem Sportfest immer voll Gas geben kannst und eher Fehler passieren". Während bei einer WM oder Olympia "mit drei oder vier Rennen nie die Konzentration auf optimale Rennen verloren gehen darf".

Während übrigens die sportlichen Pläne von Grit Breuer (29 Jahre) und Lars Riedel (34) vorerst bis Olympia 2004 reichen, sagte Johnson, Olympiasieger 1996, ganz entspannt: "Bis Peking 2008 möchte ich schon noch laufen. Natürlich nur, wenn mein Körper mitmacht".

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