Leichtathletik in Rom : Gay grüßt Bolt mit 9,77 Sekunden

Beim Golden-League-Meeting in Rom stellt Tyson Gay sogar den amerikanischen Rekord ein und bringt sich für die Leichtathletik-WM als Herausforderer Nummer eins für Usain Bolt ins Spiel. Fünf deutsche Starter zeigen in Rom höchst unterschiedliche Leistungen.

Friedhard Teuffel[Rom]

Es gibt noch Pokale in der Leichtathletik, und einen davon darf Tyson Gay mit nach Hause nehmen. Einen Fuß ist er etwa hoch mit zwei Henkeln dran, ein Bezirksmeister hätte sich bestimmt darüber gefreut. Der Amerikaner stopfte ihn schnell in seine Trainingstasche und wendete sich lieber einem wichtigen Zettel zu, der Ergebnisliste. Dort fand Gay die Bestätigung: In diesem Jahr ist er der schnellste Mann der Welt über 100 Meter. 9,77 Sekunden brauchte er beim Meeting der Golden League im Olympiastadion von Rom. Seine eigene Bestzeit und den amerikanischen Rekord hat er damit eingestellt. „Meine Form verbessert sich gerade“, sagte er. Die Zeit war auch ein flüchtiger Gruß an den Weltrekordhalter Usain Bolt aus Jamaika. Denn seit dessen Olympiasieg von Peking, werden die Besten immer an ihm gemessen.

Noch schneller als auf der Bahn sind die Sprinter meist, wenn sie sich aus dem Weg gehen sollen. Manchmal laufen die Besten nur ein, zwei oder drei Mal in einer Saison gegeneinander. Gays Sieg in Rom jedoch hatte den zusätzlichen Wert, dass er ihn sich gegen einen besonders harten Konkurrenten erlaufen hatte, den ehemaligen Weltrekordhalter Asafa Powell. Der Jamaikaner benötigte als Zweitplatzierter elf Hundertstelsekunden mehr als Gay, 9,88 Sekunden, doch kann auch er von sich behaupten, dass seine Form nach einer Sprunggelenksverletzung ansteigt.

Mark Frank wird im Speerwerfen Dritter

Die deutschen Athleten waren nur in Freundeskreisstärke vertreten, fünf Athleten starteten im Olympiastadion. Entweder hatten sie keine Einladung bekommen, oder ihre Disziplin war gar nicht im Angebot. Am besten von ihnen schlug sich Speerwerfer Mark Frank. Er wurde Dritter, weiter als er warfen nur Olympiasieger Andreas Thorkildsen (87,46 Meter) und Weltmeister Tero Pitkämäki (83,68 Meter). Frank hatte sich seinen weitesten Wurf für den letzten Versuch aufgehoben, 82,75 Meter. Die ersten beiden Meetings der Golden League hatte der Finne Pitkämäki gewonnen, auch das in Thorkildsens Heimat Oslo. Mit seinem Sieg nahm der Norweger nun seinem ewigen Kontrahenten aus Finnland die Chance, den Jackpot der Golden League von einer Million Dollar zu gewinnen.

Auf den Jackpot steuert dafür die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa zu, sie gewann mit 4,85 Meter in einer vertrauten Umgebung, sie trainiert in Italien ganz in der Nähe. Silke Spiegelburg schaffte immerhin gleich im ersten Versuch 4,60 Meter, scheiterte aber an 4,70 Meter und wurde Fünfte.

Sebastian Bayer trifft das Brett nicht

Wenn Sebastian Bayer der Start in Rom etwas genützt hat, dann wohl vor allem, um sich seine Konkurrenten ausgiebig anzuschauen. Der Weitspringer schaffte es mit 7,68 Meter als Neunter nicht den Endkampf der besten acht und konnte etwa zusehen, wie der Amerikaner Dwight Philipps mit 8,61 Meter gewann. Doch Bayer hatte das Meeting in Rom in seiner Saisonplanung ohnehin nicht zu den Höhepunkten bestimmt. "Ich bin einfach nicht mit Brett gesprungen, das macht schon mal 30 Zentimeter aus", sagte er. Außerdem habe er sich nach seinem Satz über 8,49 Meter bei den deutschen Meisterschaften in Ulm nicht so recht unter Spannung setzen können. Wenn es in Rom eine Überraschung gab, dann vor allem die: Blanka Vlasic aus Kroatien, Hauptkonkurrentin der Deutschen Ariane Friedrich, scheiterte im Hochsprung an zwei Metern und wurde hinter der Italienerin Antonietta di Martino Zweite – sehr zur Freude der 25 000 Zuschauer.

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