Leichtathletik-Meeting : Dem Istaf wird das Olympiastadion zu groß

Die deutsche Leichtathletik nimmt gerade einen kleinen Aufschwung, die Vorfreude auf die WM wächst. Doch das größte deutschen Meeting Istaf könnte sich verkleinern und im nächsten Jahr aus dem Olympiastadion ziehen.

Friedhard Teuffel
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Grandiose Kulisse. Das Olympiastadion.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Ob Gerhard Janetzky am Sonntag überhaupt etwas von seiner eigenen Veranstaltung mitbekommt? Zum Istaf, dessen Geschäftsführer Janetzky ist, haben sich schließlich 200 Leichtathletik-Funktionäre aus der ganzen Welt angekündigt. Sie wollen im Olympiastadion die Generalprobe für die Leichtathletik-WM im August erleben. Und einige davon wollen auch von Janetzky erfahren, wie es mit dem Istaf weitergeht. Das Istaf ist die größte deutsche Leichtathletik-Veranstaltung. Doch einiges deutet darauf hin, dass es am Sonntag zum vorerst letzten Mal im Olympiastadion stattfinden könnte. Ein Umzug in den kleineren Jahn-Sportpark ist derzeit wahrscheinlich.

Um es anders auszudrücken: Das Istaf würde sich der Bedeutung der Leichtathletik in Deutschland anpassen. Das Olympiastadion ist ein bisschen groß. Auch am Sonntag werden nur deshalb zwischen 60 000 und 65 000 Besucher kommen, weil es eben die WM-Generalprobe ist und außerdem der Hauptsponsor wieder Besucher mit 800 Bussen aus der ganzen Republik nach Berlin chauffieren lässt. Im Jahn-Sportpark würde das Istaf auch nicht mehr zur höchsten Kategorie der Leichtathletik-Meetings gehören. Bisher war das die Golden League, vom nächsten Jahr an heißt sie Diamond League.

Janetzky hat auch am Montag keinen Hehl daraus gemacht, dass ihm das neue Konzept nicht gefällt. „Wir würden dann zu einer Gesellschaft schweizerischen Rechts gehören, da sind wir nicht so scharf drauf“, sagt er. Auch sportlich hält er die Diamond League für weniger attraktiv als die Golden League. Sechs europäische Meetings bilden die Golden League, die Diamond League wird mehr als doppelt so viele Veranstaltungen umfassen, auch außerhalb Europas. „Die Meetings in Schanghai und Eugene haben doch für die deutschen Medien keine Relevanz“, sagt Janetzky. Die Zahl der Meetings sei außerdem zu hoch: „Wen interessiert, wenn Franka Dietzsch nach vier Meetings im Gesamtstand auf Platz sieben liegt?“ Da sei der Modus der Golden League verständlicher. Wer bei allen sechs Stationen gewinnt, bekommt seinen Teil des Jackpots von einer Million Dollar.

Seine Vorbehalte hat Janetzky dem Internationalen Leichtathletik-Verband schon mitgeteilt, aber noch nicht seine Entscheidung. „Wir werden uns nach dem Istaf äußern“, sagt er. Am Wochenende möchte er mit den Verbandsvertretern ein letztes Mal verhandeln, beispielsweise über den Termin. Seit dem vergangenen Jahr findet das Istaf im Juni statt. Der September passt Janetzky jedoch besser, dann ist die Leichtathletik-Saison auf ihrem Höhepunkt angelangt.

Weil aber nicht zu erwarten ist, dass der Verband ihm viele Zugeständnisse macht, könnte das Istaf im nächsten Jahr auf einmal ganz anders aussehen: kleiner, aber vielleicht auch feiner. Anstatt der 18 vorgeschriebenen Disziplinen könnte Janetzky etwa nur zehn präsentieren. In denen würden sich dafür die populärsten Leichtathleten miteinander messen.

ISTAF 2007
Großer Sport. Das Istaf im Berliner Olympiastadion.Foto: ddp

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