Sport : Leichtathletik: Nur noch ein Fehlstart

Robert Hartmann

Am Ende hatte Helmut Digel nicht einmal mehr einen Gegenkandidaten, nachdem kurz vor dem Wahlgang gleich fünf Kollegen ihre Bewerbung zurückgezogen hatten. Der Tübinger Soziologieprofessor, der sich seit sechs Jahren bevorzugt um das Marketing kümmert, wurde beim Kongress des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF in Edmonton mit 151:11 Stimmen zum Vizepräsidenten gewählt. Der Senegalese Lamine Diack wurde im Präsidentenamt für vier Jahre bestätigt.

Die Vollversammlung, die vor den heute beginnenden Weltmeisterschaften tagte, fasste weitreichende Beschlüsse. So löste sie auf Initiative des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) das eigene Schiedsgericht auf (Arbitration Panel) und überführte alle künftigen juristischen Streitfälle dem Internationalen Sportgerichtshof, dem CAS. Dieses ist eine Einrichtung des Internationalen Olympischen Komitees, das auf der Grundlage ordentlichen schweizerischen Rechts urteilt. Digel sprach danach von einer "historischen Entscheidung", weil die IAAF damit "vollständig Teil der olympischen Familie" geworden sei. Damit ist ein alter Streitpunkt aus dem Weg geräumt worden: nämlich bei Dopingfällen Recht auf der Grundlage der "strict liability" zu sprechen. Das bedeutete, dass ein positiv getesteter Sportler die ganze Beweislast zu tragen hatte.

Künftig ist die lange Zeit festgefügte Zweijahressperre für ein schweres Delikt nicht mehr unbedingt verbindlich. In der Frage der Meldepflicht kam der Vorschlag von DLV-Präsident Clemens Prokop durch, das deutsche Verfahren zu übernehmen. Um Doping zu erschweren, müssen Athleten - betroffen sind die Top 100 jeder Sportart - mit Sanktionen rechnen, wenn sie einen Ortswechsel auch nach drei Tagen noch nicht gemeldet haben. Der Strafkatalog beginnt mit einer öffentlichen Verwarnung, steigert sich zu einer Dreimonatssperre und findet seinen Schlusspunkt in einer Zweijahressperre beim dritten Verstoß.

Auch auf dem Sportplatz gibt es Neuerungen: Vom 1. Januar 2003 an wird den Läufern auf Strecken von 100 bis 400 Metern nur noch ein Fehlstart erlaubt. Bei einem zweiten Fehlstart folgt die Disqualifikation des Athleten, selbst wenn dieser den ersten Fehlstart nicht verschuldet hat. So soll der Sport kurzweiliger als bisher präsentiert werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben