Leichtathletik : Pokern und Fliegen

Ariane Friedrich springt beim Meeting in Karlsruhe mit 2,05 Metern so hoch wie noch nie und gewinnt vor ihrer kroatischen Konkurrentin. Für ihren Trainer ist das allerdings keine Überraschung.

Jörg Wenig[Karlsruhe]
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Blond gewinnt. Mit neuer Haarfarbe sprang Ariane Friedrich zum Sieg. Foto: dpa

Hochspringen, das sind eigentlich zwei Disziplinen in einer: Fliegen und Pokern. Es reicht schließlich nicht aus, eine bestimmte Höhe zu meistern. Sonst hätte Ariane Friedrich am Sonntag beim Meeting in Karlsruhe nicht gewonnen. Sie überquerte 2,05 Meter, genau wie ihre kroatische Konkurrentin Blanka Vlasic, aber den Sieg holte sich Friedrich mit ihrer Taktik: zwischen 1,90 und 2,00 Meter ließ sie die Höhen aus und hatte am Ende weniger Fehlversuche als Vlasic. „Man muss auch mal etwas probieren, um überhaupt eine Chance zu haben“, sagte Friedrich.

So sind ihr am Sonntag viele Erfolge auf einmal gelungen: Sieg gegen Vlasic, Spitzenposition in der Weltjahresbestenliste, persönliche Bestleistung in der Halle, Platz vier in der Liste der besten Hallenspringerinnen. Und noch etwas: Seit Heike Henkels damaligem Hallen-Weltrekord 1992, ebenfalls in Karlsruhe, ist keine deutsche Frau mehr so hoch gesprungen wie Ariane Friedrich jetzt, weder unter einem Dach noch unter freiem Himmel.

„Unheimlich froh“ sei sie deshalb, erzählte die 25-Jährige nach dem Wettkampf. Ihr Sieg macht der deutschen Leichtathletik jedenfalls Mut, dass da wieder eine ist, die um einen Titel bei den Weltmeisterschaften im August in Berlin mitkämpfen kann, dass sich die deutschen Chancen nicht auf die Wurfdisziplinen beschränken.

Mit den Erwartungen kam Friedrich in Karlsruhe bestens zurecht. Der Meetingdirektor Alain Blondel hatte ihr die Startnummer 205 gegeben, ihrer Konkurrentin Vlasic die 209. Friedrich konnte diesen Auftrag erfüllen und setzte die Zahl in Zentimeter um, Vlasic kam auf die gleiche Höhe, den Hallenweltrekord der Schwedin Kajsa Bergqvist (2,08) konnte sie jedoch nicht verbessern.

Friedrich hat die Weltmeisterin Vlasic nun schon zum zweiten Mal besiegt. Das erste Mal gelang ihr das zum Abschluss der Golden League im vergangenen Jahr in Brüssel, als sie Vlasic um ihren Anteil am Millionen-Jackpot brachte. Bei regnerischem Wetter tut sich Vlasic allerdings meist schwer. Auf einer Höhe mit Vlasic sieht sich Friedrich dennoch noch nicht. „Die springt über Häuser“, sagt sie ehrfürchtig über die Kroatin.

Aber in der Halle ist auch Vlasic noch nicht höher gesprungen als sie. Mehr als 2,05 Meter schafften bislang nur Berg qvist (2,08), Henkel (2,07) und die Bulgarin Stefka Kostadinowa (2,07). Dass es so hoch hinaus geht, ist für Friedrichs Trainer Günter Eisinger keine allzu große Überraschung: „Sie ist sehr gut durchs Wintertraining gekommen. Jetzt ist sie mindestens so gut wie am Ende der vergangenen Saison.“ Zum Teil habe sie im Winter sogar im Freien trainiert und viele Treppenläufe absolviert. Ein spezielles Sprungtraining hätten sie nur einmal durchgeführt, um kein unnötiges Risiko einzugehen. Auch das gehört zum taktischen Poker des Hochspringens.

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