Sport : Leichtathletik-Präsident Digel wartet auf Signal aus Berlin

Jörg Wenig

Im Sprinttempo scheint sich die Stadt Berlin fast aus dem Nichts heraus zum international attraktivsten Leichtathletik-Veranstaltungsort Deutschlands zu wandeln. Die Stadt will sich offenbar kurzfristig beim internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) noch um die Ausrichtung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2005 im dann fertiggestellten Olympiastadion bewerben. Im Senat wird es diesbezüglich eine kurzfristige Entscheidung geben. Was die Bedeutung einer solchen WM für die Ausrichterstadt betrifft, so wird diese nur von Olympischen Spielen übertroffen. Gleichzeitig wurde bekannt, dass mit großer Sicherheit die ursprünglich für das Velodrom vorgesehene Leichtathletik-Rundbahn nachträglich gekauft und dann jährlich für bis zu drei Wochen in die Halle eingebaut wird. Damit wäre das Velodrom die einzige Leichtathletikhalle Deutschlands, die über sechs 200-m-Laufbahnen verfügt. Das wiederum ist Voraussetzung für die Ausrichtung internationaler Meisterschaften. Aufgrund der misslichen Hallensituation sind dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) bisher die Hände gebunden.

"Dass die IAAF ein großes Interesse daran hat, Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin zu veranstalten, ist schon lange bekannt. Bisher gab es allerdings von der Stadt Berlin kein Signal. Ich werde mich erst für eine Berliner Bewerbung stark machen, wenn ich ein schriftliches Okay von der Stadt Berlin habe", sagte DLV-Präsident Helmut Digel dem Tagesspiegel. Dass eine Bewerbungsfrist am 1. Februar abgelaufen ist, darin sieht Helmut Digel offenbar kein Hindernis. "Die Frist ist nicht das Problem - was fehlt, ist der entscheidende Schritt der Stadt", sagte der DLV-Präsident, der als IAAF-Councilmitglied im Rahmen einer Sitzung des Gremiums am Wochenende seinen Einfluss für Berlin geltend machen würde. "Für einen solchen Quereinstieg Berlins müsste sehr schnell mit dem IAAF-Präsidenten Lamine Diack gesprochen werden", sagte Digel, der auch ankündigte, dass die IAAF am 1. April zunächst nur über die Vergabe der WM 2003 entscheiden wird.

Nach Initiativen des neuen BLV-Präsidiums mit Christoph Kopp und Michael John an der Spitze, hat sich gestern auch Manfred von Richthofen eingeschaltet. Wie Senatssprecher Butz bestätigte, gab es ein Telefonat zwischen dem DSB-Präsidenten und Eberhard Diepgen. "Daraufhin wurde im Senat über das Thema gesprochen. Es wird eine kurzfristige Entscheidung geben, ob sich Berlin bewirbt", sagte Butz, der das Interesse seitens der Stadt an der WM bestätigte. Nach ersten groben Schätzungen des BLV könnte eine WM-Ausrichtung die Stadt zwischen 10 und 20 Millionen Mark kosten. "In Stuttgart waren es 1993 sieben Millionen. Ähnlich war es auch in Göteborg und Sevilla", sagte allerdings Helmut Digel, für den das Ja oder Nein eine politische Entscheidung aus Stadtmarketing-Sicht ist. Für die WM 2005 haben auch London und Melbourne bei der IAAF Bewerbungen angekündigt. "Sollte es mit 2005 nicht klappen, würden wir es für 2007 beziehungsweise 2009 erneut versuchen", sagte Christoph Kopp.

"Ich freue mich, dass das neue BLV-Präsidium derartige Initiativen vorantreibt", sagte Helmut Digel, auch mit Blick auf das Velodrom. "Wenn das klappt, dann wäre das eine Riesensache. Wir hätten sofort die Chance, große Ereignisse in dieser Halle zu veranstalten." Dass der Senat dem Kauf der rund zwei Millionen Mark teuren Leichtathletikanlage noch in diesem Jahr zustimmt, davon geht Sally Rothholz aus. Der Geschäftsführer des Velodrom-Betreibers Velomax sagte: "Alle bisherigen Gespräche sind sehr positiv verlaufen - hier ziehen alle an einem Strang." Schon 2001 könnte ein internationales Hallenmeeting dort stattfinden. Möglich sind dann auch eine Hallen-WM oder EM im Velodrom.

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