Sport : Leichtathletik: Scherbensammeln in der Ziegelei

Jörg Wenig

Als Nils Schumann vor einem halben Jahr den spektakulärsten Vereinswechsel des Jahres 2000 in der deutschen Leichtathletik bekannt gab, war dies ein Schritt mit Folgen: im Umfeld der Thüringer Ziegelei Creaton wurde Porzellan zerschlagen. Der 800-m-Olympiasieger ging vom SV Creaton Großengottern nach Berlin zur LG Nike, und deswegen kündigte ihm Dieter Hermann die Zusammenarbeit. Der Läufer stand ohne jenen Trainer da, der ihn zum Olympiasieg geführt hatte und zugleich als Vereinstrainer für Großengottern tätig war. Hermann hätte die weitere Betreuung Schumanns damals wohl nur schwer rechtfertigen können.

Inzwischen haben sich die Fronten offenbar beruhigt. Wünschenswert wäre, dass Hermann und der Thüringer Verein erkennen, dass von einer Zusammenarbeit mit einem Olympiasieger alle Beteiligten nur profitieren können. Wenn Nils Schumann sich wieder der Thüringer Trainingsgruppe anschließen würde, hätte Hermann das denkbar beste Vorbild für seine Nachwuchsarbeit zurückgewonnen. Denn höchstens eine handvoll Vereinsmeier werden ernsthaft behaupten, Schumann tauge in einem anderen Trikot nicht mehr zum Vorbild. Immer wieder scheitern mögliche Karrieren talentierter Jugendlicher in der deutschen Leichtathletik genau an diesem Punkt: Vereinsmeierei. Das kennt man in Berlin genauso gut wie in Erfurt, wo übrigens einst Hermann mit seiner Gruppe die Stadt in Richtung Großengottern verließ.

So könnte eine neue Gemeinsamkeit zwischen Schumann und Hermann durchaus Zeichen setzen in einer deutschen Leichtathletik, die in mancher Hinsicht den Zug der Zeit verpasst hat.

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