Leichtathletik-Skandal : Russland will neue Doping-Vorwürfe untersuchen

Russlands Leichtathletik verstößt weiter gegen Anti-Doping-Richtlinien. Der Verband kündigt wieder einmal Aufklärung an.

In den Blöcken. Der Anti-Doping-Kampf der russischen Leichtathletik kommt nicht in Gang. Foto: dpa
In den Blöcken. Der Anti-Doping-Kampf der russischen Leichtathletik kommt nicht in Gang.Foto: dpa

Russlands durch den Doping- und Betrugsskandal in Verruf geratene Leichtathletik ist durch neue Vorwürfe aufgeschreckt und will sie untersuchen lassen. Jeder in der ARD-Doku „Geheimsache Doping: Russlands Täuschungsmanöver“ genannte Sachverhalt müsse aufgeklärt werden, ordnete der Präsident der Allrussischen Leichtathletik-Föderation, Dmitri Schljachtin, laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Tass am Montag an.

In der Dokumentation werden nicht nur schwere Anschuldigungen gegen die neue Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada, Julia Anzeliowitsch, erhoben. Sie soll in ihrer vorherigen Rusada-Position als Leiterin der Abteilung für Ermittlungen und Ergebnismanagement regelwidrige Terminabsprachen mit Athleten für Doping-Tests getroffen haben. Berichtet wird in dem ARD-Film zudem über den wegen Dopings gesperrten Trainer Wladimir Mochnew, der der Provinz weiter arbeitet, und den Cheftrainer Juri Gordejew, der nebenbei als Doping-Dealer Geld verdienen soll.

Die Wada verfolgte den Bericht "mit Interesse"

Russlands Sportminister will durch die Vorwürfe nicht die ganzen Bemühungen um eine Erneuerung in der Leichtathletik infrage gestellt wissen. Nicht in der gesamten russischen Leichtathletik, aber in einigen Disziplinen gebe es Probleme, sagte Witali Mutko. „Man kann aber nicht sagen, dass der Staat für jeden Regelverstoß einer Einzelperson verantwortlich ist.“ Russland kooperiere mit dem Weltverband IAAF wie mit der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada.

Die Wada hat den neuen ARD-Bericht „mit Interesse“ verfolgt, teilte Sprecher Ben Nichols mit. „Wenn es konkrete Dinge geben sollte, werden wir nicht zögern, dem nachzugehen.“ Nach der ersten, im Dezember 2014 veröffentlichten ARD-Doku „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“ hatte die Wada eine unabhängige Kommission eingesetzt, die Beweise für ein gigantisches Dopingsystem in Russland fand. Die IAAF suspendiert daraufhin die Sportmacht und drohte ihr mit einem Olympia-Ausschluss in Rio de Janeiro.

Der DLV fordert einen Neuanfang

„Doper werden für zwei Jahre gesperrt oder vier. Warum soll es bei einem staatlich unterstützten Dopingprogramm nicht ähnliche Strafen geben?“, sagte Travis Tygart, Vorstandsvorsitzender der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Usada), der Tageszeitung „USA Today“. Das IAAF-Council wird am Donnerstag und Freitag in Monte Carlo über die Reformfortschritte in Russland und die neuen Anschuldigungen beraten.

DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen bekräftigte angesichts der neuen Vorwürfe gegen Russland nicht nur seine Forderung nach einem Ausschluss auf Zeit für massiv Doping-auffällige Länder. „Ich denke, dass ein Neuanfang für den Weltverband IAAF und das System 'Spitzensport Leichtathletik' erforderlich ist“, sagte er am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Nur dies wäre „ein deutliches Signal an die ehrlichen Athleten, für glaubwürdige Veränderungen im Spitzensport und die Chance auf eine saubere Zukunft.

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Dopingproblem in Russland: 'Sportler sind für sauberen Sport'
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„Es passiert ja in der Regel nach wie vor nichts"

„Die bisherige Symbolpolitik hilft der Glaubwürdigkeit der Sportart Leichtathletik nicht weiter und auch nicht den ehrlichen und fairen Athleten“, meinte Kurschilgen. Als ehrlicher Sportler müsse man immer mehr an dem System und den vielen unehrlichen, betrügerischen und korrupten Akteuren zweifeln.

„Unsere Athleten fordern - dies kann ich aus zahlreichen Gesprächen entnehmen - eine nachgewiesene Unabhängigkeit der nationalen Doping-Agenturen und klare und für alle gleichermaßen verbindliche Regelungen“, erklärte er. „Es passiert ja in der Regel nach wie vor nichts, wenn Regularien nicht eingehalten werden oder gar keine Nada existiert.“ Diese Länder würden trotzdem mit ihren Athleten „unbehelligt und vielfach erfolgreich“ an Meisterschaften teilnehmen.

Auch Kenia steht unter starkem Verdacht

„Ein systemisches Doping für Russland ist belegt, es hat sich in diesem Land in den zurückliegenden Monaten wenig Substanzielles geändert“, sagte Kurschilgen. „Russland hält sich in der Leichtathletik - dies dokumentiert der Fernsehbeitrag sehr deutlich - nicht an die Anti-Doping-Regeln.“ Auch über Kenia und weitere stark belastete Länder müsse deshalb nun „ernsthaft nachgedacht“ und intensiver recherchiert werden. (dpa)

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