Leichtathletik-Verband : Digel verliert gegen zwei Olympiasieger

Statt Helmut Digel sind nun der Stabhochsprung-Weltrekordhalter Sergej Bubka aus der Ukraine und der frühere Mittelstreckenläufer Sebastian Coe aus England Vizepräsidenten der IAAF. Heike Drechsler sitzt im Frauen-Komitee.

Friedhard Teuffel

BerlinHelmut Digel hat früher in der Handball-Bundesliga gespielt, inzwischen ist er Professor für Sportwissenschaft in Tübingen und gehört seit zwölf Jahren dem Council des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) an. Eine Qualifikation hat dem 63-Jährigen aber offenbar gefehlt, um drei Tage vor den Weltmeisterschaften in Osaka als Vizepräsident der IAAF wiedergewählt zu werden. Er hätte wohl Leichtathletik-Olympiasieger sein müssen wie der Stabhochsprung-Weltrekordhalter Sergej Bubka aus der Ukraine oder der frühere Mittelstreckenläufer Sebastian Coe aus England. Die beiden setzten sich gegen Digel durch und sind nun Vizepräsidenten, Digel wurde immerhin mit 163 von 195 Stimmen als Mitglied im 27-köpfigen Council der IAAF bestätigt.

Nach der Abstimmung schwankte Digel zwischen Enttäuschung über die Niederlage und Genugtuung über sein gutes Wahlergebnis für den Council. „Es war klar, dass ich gegen diese beiden Stars keine Chance habe“, sagte er dem Tagesspiegel, „aber ich wollte meine Kandidatur aufrechterhalten, weil ich gehofft hatte, dass meine fachliche Leistung gewürdigt wird.“ Zur Darstellung seiner Arbeit als Marketingbeauftragter der IAAF erhielt Digel bei der Sitzung keine Gelegenheit. Ein Gutes habe seine neue Rolle als einfaches Council-Mitglied jedoch: „Ich kann meine Meinung viel offener und aggressiver vertreten.“ Digel hatte regelmäßig Defizite bei der Dopingbekämpfung beklagt. Seine Konkurrenten hält er nicht für uneingeschränkt geeignet. „Coe organisiert die Olympischen Spiele 2012. Da frage ich mich, wie viel Zeit er für die Leichtathletik aufbringen kann.“ Bubka und Coe gelten jetzt als potenzielle Nachfolger des IAAF-Präsidenten Lamine Diack. Der Senegalese ist 74 Jahre alt.

Zwei Jahre vor der WM in Berlin hat die deutsche Leichtathletik Einfluss verloren, allerdings ein Komiteemitglied dazugewonnen. Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler wurde ins Frauenkomitee gewählt. Ihre Nominierung durch den deutschen Verband war umstritten, weil sie sich zum Doping lange nicht geäußert hatte und erst kürzlich einräumte, möglicherweise „unwissentlich“ gedopt worden zu sein. 

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