Leichtathletik : Verletzt: André Niklaus startet nicht bei der WM

Zuletzt hatte er noch gehofft, aber die Schmerzen sind zu groß geworden. Zehnkämpfer André Niklaus muss auf die Leichtathletik-WM verzichten. Das ist für ihn besonders bitter: Er ist Berliner.

Friedhard Teuffel
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Der Zeh als Hürde.

Berlin - Mit einem Augenzwinkern war der Werbefilm für die Leichtathletik-WM gedreht worden, doch nun wirkt er wie mit einer bösen Vorahnung belastet. Zehnkämpfer André Niklaus spielt darin einen Kampfrichter, er stoppt die Zeit für einen Geschäftsmann, der zum Bus spurtet. Auch bei der WM wird Niklaus nicht im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Wegen einer Verletzung hat er am Mittwoch die Saison beenden müssen.

Das ist in seinem Fall auch deshalb bitter, weil für ihn im Programm der WM eine spezielle Rolle vorgesehen war. Die des lokalen Helden, denn er kommt wie Diskuswerfer Robert Harting und Geher André Höhne aus Berlin. „Für mich ist der Traum geplatzt, in meiner Stadt eine Medaille zu gewinnen“, das war daher auch seine erste Reaktion. „Über Wochen habe ich mich damit auseinandergesetzt, ob es nun klappt oder nicht klappt, jetzt bin ich riesig enttäuscht“, erzählt der 27-Jährige. Auch Zehnkämpfer Arthur Abele aus Sindelfingen sagte am Mittwoch seinen Start bei der WM ab, ihn plagt eine Schambein-Verletzung.

André Niklaus hatte sich spätestens mit dem Gewinn des Weltmeistertitels im Hallen-Siebenkampf 2006 einen Namen gemacht. Er schien auf dem besten Weg, die Ahnenreihe großer deutscher Zehnkämpfer fortzusetzen wie Kurt Bendlin, Willi Holdorf, Guido Kratschmer, Jürgen Hingsen und Christian Schenk. Doch eine Verletzung nach der nächsten hielt ihn auf.

Eine besonders komplizierte hat ihn die WM-Teilnahme gekostet: „Von einem Sesambein hat sich ein Stück gelöst und unter die Beugesehne des großen Zehs gesetzt“, erklärt er, „und den großen Zeh braucht man nun mal in der Leichtathletik.“ Auch mental war diese Verletzung besonders schmerzhaft. „Wenn eine Sehne reißt, sagst du dir: oh kaputt, Pech gehabt. Aber in diesem Fall war es eine wochenlange Berg- und Talfahrt. An einem Tag habe ich Hoffnung geschöpft, am nächsten kamen wieder Nadelstiche.“ Zuletzt hatte er noch einmal mit Einlagen versucht, den Schmerz zu vermeiden, doch auch das blieb erfolglos.

Im Juli will sich Niklaus einer Operation unterziehen. „Aber man setzt sich sofort wieder neue Ziele“, sagt er, „ich will nächstes Jahr bei den Europameisterschaften dabei sein, und bei den Olympischen Spielen 2012 in London bin ich mit dann 31 Jahren auch noch in einem guten Zehnkampf-Alter.“

An der WM im August möchte André Niklaus auch als verletzter Athlet teilnehmen. „Irgendeine Aufgabe wird sich schon für mich finden, ob im Innenraum oder als Ko-Kommentator.“ Als Kampfrichter hat er im Werbespot jedenfalls schon eine gute Figur gemacht.

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