Leichtathletik-WM : 200-m-Rekordler Unger startet nur in der Staffel

Das deutsche Aufgebot für die Leichtathletik-WM in Osaka ist von 69 auf 60 Teilnehmer reduziert worden. Der Olympia-Siebte Tobias Unger wird keinen Einzelstart über 200 Meter absolvieren, ist aber in der Staffel dabei.

Andreas Schirmer[dpa]
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Tobias Unger: Für einen Einzelstart reicht es noch nicht. -Foto: ddp

DüsseldorfDas deutsche Aufgebot für die Weltmeisterschaften in Osaka ist auf 60 Leichtathleten geschrumpft, der Optimismus aber bleibt groß. "Der DLV fährt trotz einiger Absagen mit einem großen und leistungsstarken Team nach Osaka", sagte Jürgen Mallow, Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Ursprünglich hatten sich 69 Topsportler für die WM vom 25. August bis 2. September qualifiziert. Bei der WM 2005 in Helsinki waren 52 DLV-Aktive am Start, die fünf Medaillen gewannen. "Wir sind stärker als vor zwei Jahren und werden mehr Medaillen holen", prophezeit Mallow.

Esenwein will protestieren

Gestrichen wurden einen Tag nach dem letzten Leistungstest bei der DLV-Gala in Bochum-Wattenscheid wegen Formschwäche der Speerwerfer Peter Esenwein (Kornwestheim/Ludwigsburg) und die 4x400-Meter-Staffel der Frauen. Verärgert reagierte der 40-Jährige EM-Sechste Esenwein auf seine Nichtberücksichtigung. "Ich sehe das nicht ein, denn ich habe zwei Mal die Norm geschafft", schimpfte er, "ich bin davon ausgegangen, dass es in Wattenscheid nur ein Gesundheitstest sein sollte. Deshalb habe ich nur 80 Prozent gegeben." Esenwein, der nicht über 76,79 Meter hinaus gekommen war, will nun beim DLV-Vizepräsident Leistungssport Eike Emerich gegen die Ausbootung protestieren.

Kurzfristig absagen mussten die WM aus Verletzungsgründen der Sprinter Christian Blum (Fürth/München), 10.000-Meter-Läufer André Pollmächer (Chemnitz) und Claudia Dreher (Burg/Marathon). Schon länger stand der Verzicht von Sina Schielke (Wattenscheid/Sprint), Ariane Friedrich (Frankfurt/Hochsprung) und Ulrike Maisch (Rostock/Marathon) fest.

Eine Frage der Vernunft war die Entscheidung, den Olympia-Siebten Tobias Unger (Kornwestheim/Ludwigsburg) nur für einen Staffel-Start nach Japan mitzunehmen und ihn nicht für einen Einzelstart über 200 Meter zu melden. Denn ausgerechnet in Wattenscheid, wo er 2005 seinen deutschen Rekord über 200 Meter (20,20 Sekunden) aufstellte, lief der 28-jährige "Schwabenpfeil" wie schon bei den deutschen Meisterschaften in Erfurt der Konkurrenz weit hinterher. Nach einer Virusinfektion reichte es für den um vier Kilogramm abgemagerten Olympia-Siebten nur zu Platz sechs und mäßigen 20,71 Sekunden.

Unger: "Für mehrere Rennen reicht es noch nicht"

"Die 200 Meter strengen mich unglaublich an. Für mehrere Rennen reicht es noch nicht. Ich brauche noch etwas Zeit", sagte Unger. Geplant ist nun, dass er an zweiter Position in der Sprint-Staffel mit Ronny Ostwald, Alexander Kosenkow und Julian Reus startet. "Wenn ich laufe, will ich der deutschen Staffel auch helfen können." Sein Trainer Micky Corucle hatte bereits nach seinem schwachen Gala-Auftritt einen WM-Start über 200 Meter ausgeschlossen: "Ich erlaube es ihm nicht. Es nützt nichts, ihn in die Löwengrube zu werfen."

Das durch den Infekt fast auf Null runter gefahrene Immunsystem in Ungers Körper sei zwar wieder in Ordnung, aber nicht perfekt erholt. "Für einen Fußballer wären 95 Prozent kein Problem", erklärte Corucle, "bei einem Sprinter reicht es aber nicht, um auf Spitzenniveau mithalten zu können." Ungers Coach ist überzeugt, dass sein Schützling wieder zu alter Schnelligkeit findet: "Das Laufen hat er nicht verlernt."

Problemfälle und Medaillenhoffnungen

Sorgenkinder des DLV sind vor dem Abflug des Großteils der WM-Equipe am Donnerstag noch die angeschlagenen Medaillenanwärter Franka Dietzsch und Ralf Bartels (beide Neubrandenburg). Der Kugelstoß-Europameister absolviert morgen noch einen letzten Fitnesstest bei einem Wettkampf in Eberswalde. Den 29 Jahre alten WM-Dritten von 2005 plagen Ellenbogenprobleme. Seine zehn Jahre ältere Vereinskameradin klagt über Beschwerden an der Achillessehne. "Die WM-Teilnahme der beiden ist nicht gefährdet", sagte Mallow.

Zu den deutschen WM-Trümpfen gehören zudem noch Speerwurf-Europarekordlern Christina Obergföll (Offenburg) und Steffi Nerius (Leverkusen) sowie im Kugelstoßen Petra Lammert (Neubrandenburg) und die Stabhochspringer angeführt von Hallen-Weltmeister Danny Ecker (Leverkusen). "Ich träume nicht nur von Gold, ich glaube auch daran", sagte die Weltjahresbeste Obergföll, die bei der DLV-Gala den neunten Saisonsieg schaffte.

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