Sport : Leichtathletik-WM: Auf Normalgröße gebracht

Frank Bachner

Bloß mal so nebenbei, falls Unklarheiten bestehen sollten: Der Volkstrauertag wird jetzt nicht auf den 8. August vorverlegt. So groß ist das Unglück ja nun doch nicht. Obwohl doch der 8. August 2001 ein "schwarzer Dienstag" war. Jedenfalls hatte eine Nachrichtenagentur das geschrieben, direkt aus Edmonton, von der Leichtathletik-WM. Weil doch Nils Schumann, der Olympiasieger von 2000, nur Fünfter geworden war über 800 m. Und Grit Breuer, die zweimalige Europameisterin, nur Vierte über 400 m. Breuer weinte, Schumann war sprachlos. Und viele Fans waren wahrscheinlich am Boden zerstört.

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Schwarzer Dienstag. So denken Leute, die Opfer ihrer eigenen überspannten Erwartungen sind. Das kommt davon, wenn ein Land nur noch eine Handvoll Medaillenkandidaten besitzt. Die werden dann zur Übergröße aufgebaut. Solange, bis ihr Sieg Pflicht ist. Da geraten dann auch leicht die Begriffe durcheinander. Da gilt dann ein Olympiasieger als Abonnementsieger. Schumann holte aber nur Olympiagold, weil der Schweizer André Bucher von der Bahn gerempelt und Topfavorit Wilson Kipketer getreten wurde. Und weil das Tempo des Finales ziemlich langsam war. Der spurtstarke Schumann benötigt langsame Rennen, sonst hat er keine Chance. Seine Bestzeit ist zwei Sekunden schlechter als die von Bucher. Dessen WM-Siegeszeit hatte Schumann noch nicht mal annähernd je erreicht. Der Deutsche hatte 2001 nur ein Rennen bestritten, weil er zwei Monate verletzt war. Es war klar, dass er bei einem schnellen Rennen keine Chance hat. Das Rennen war schnell.

Und Grit Breuer? Sie lief bei der Deutschen Meisterschaft in Stuttgart ausgezeichnete 49,78 Sekunden. Aber sie war lange verletzt, und in Stuttgart hatte sie ein leichteres Qualifikationsprogramm als in Edmonton. Ihre WM-Zeit ist enttäuschend, schon. Aber sie ist 29, sie erholt sich nicht mehr so schnell wie früher. Nötig ist aber wohl noch ein anderer Hinweis: 1997 sicherte sie mit einem phänomenalen Finish der deutschen 4-x-400-m-Staffel WM-Gold. Jetzt wurde Grit Breuer Vierte. Na und?

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