Sport : Leichtathletik-WM: Beim fünften Mal ist es am schönsten

Jörg Wenig

Manches sprach am Mittwochabend in Edmonton dafür, dass Lars Riedel ohne Medaille nach Hause fliegen würde. Und das, obwohl der Diskuswerfer aus Chemnitz bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften gerade Gold gewonnen hatte. Die Siegerehrung für diese Disziplin fand nämlich erst im Abendprogramm des gestrigen Tages statt. Und zu diesem Zeitpunkt musste Lars Riedel eigentlich schon im Flugzeug sitzen. "Am Sonnabend wird mein Sohn eingeschult. Das gibt eine große Feier", sagte Lars Riedel. Doch auch dann wird der Weltmeister im Terminstress sein. "Ich weiß gar nicht, wie ich da noch ins Sportstudio kommen soll - aber vielleicht machen die ja das Sportstudio bei mir in Chemnitz." Lars Riedel war zu Recht in Feierstimmung: "Wasser haben wir ein paar Wochen lang getrunken - jetzt ist mal was anderes dran", sagte der Weltmeister, der den Wettbewerb mit dem Meisterschaftsrekord von 69,72 m überraschend vor dem favorisierten Virgilijus Alekna (Litauen) gewonnen hatte.

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So gab es gestern, einen Tag später als gedacht, einen deutschen Tag bei der Leichtathletik-WM. Am Dienstag hätten Heike Drechsler, Grit Breuer und Nils Schumann Medaillen holen sollen, doch am Mittwoch wurden stattdessen Martin Buß und Lars Riedel Weltmeister. Zudem gewann Riedels Diskus-Kollege Michael Möllenbeck die Bronzemedaille. Der dritte Platz des Wattenscheiders mit einer persönlichen Bestleistung von 67,61 m war eigentlich eine noch größere Überraschung als Riedels Sieg.

"Ich bin froh, dass es endlich einmal geklappt hat", sagte der 31-jährige Möllenbeck, dessen Frau Anja ebenfalls im Diskuswerfen hier startet. Sechster war er vor zwei Jahren, Zehnter dann in Sydney bei Olympia. Mit seinem besten Wurf im ersten Versuch hatte Möllenbeck die Konkurrenz überrascht. "Heute hat alles optimal gepasst. Ich glaube, Michael ist körperlich in der Lage, auch Lars Riedel zu bedrängen. Mit diesem Erfolg im Rücken könnte es gehen", sagte sein Trainer Miroslaw Jasinski.

Nach drei von sechs Würfen sah es so aus, als könnte Möllenbeck Riedel vielleicht schon bei der WM bezwingen. Doch dann warf der Chemnitzer jene 69,72 m. Damit gab es wie schon bei den Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgarrt und 1997 in Athen eine Gold- und eine Bronzemedaille für die deutschen Diskuswerfer. Auch dort hatte der Sieger jeweils Riedel geheißen, Bronze hatte Weltrekordler Jürgen Schult gewonnen. Schult, der inzwischen als Bundestrainer tätig ist, und Riedel hatten auch in Sevilla bei der WM zwei Medaillen gewonnen. Dort belegte Schult vor Riedel Platz zwei. Auf eine gemeinsame Ehrenrunde gingen Möllenbeck und Riedel in Edmonton jedoch nicht. "Der Krach mit Riedel ist nicht zu kitten", sagte Möllenbeck. Als beide noch unter Karl-Heinz Steinmetz trainierten, der Riedel nun zum fünften WM-Gold geführt hat, gab es bei einem Trainingslager in Albufeira (Spanien) einen Zwist. Danach wechselte Möllenbeck seinen Trainer.

Als Konkurrent wird Lars Riedel seinem nationalen Widersacher aber noch eine Weile erhalten bleiben. Denn der Weltmeister, der im Mai wegen eines Knorpelschadens am Knie operiert worden war und dadurch erst etwas später als seine Konkurrenten in Topform kam, liebäugelt noch mit Olympia 2004. "Athen, das ist die Wiege des Diskuswerfens. Das wäre ein schöner Abschluss meiner Karriere. Ich werde also noch ein paar Jahre werfen", sagte Lars Riedel, der dann auch noch Sergej Bubka (Ukraine) einholen könnte. Der Stabhochspringer hat als bisher einziger Athlet in einer Disziplin sechsmal den WM-Titel gewonnen.

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